Dresden - Mehr dunkle Ecken für Dresden? Umweltaktivist Sicco Bauer (55) fordert Maßnahmen gegen Lichtverschmutzung - etwa insektenfreundliche LED-Beleuchtung und weniger Leuchtreklame. Denn Pflanzen und Tiere leiden unter nächtlicher Helligkeit. Das Echo im Stadtrat ist gemischt.
Eigentlich hat die Stadtverwaltung das Thema Lichtverschmutzung schon auf dem Schirm. Dresdens rund 46.200 Straßenlaternen sollen mit artenschonender LED-Technik ausgestattet werden - wegen der prekären Haushaltslage geht das Projekt aber langsam voran. Zu langsam?
"Ja, das sollte schneller gehen", sagt Grünen-Stadtrat Wolfgang Deppe (71). Auch bei den Werbetafeln könne man über Änderungen nachdenken. "Lichtverschmutzung ist ein Punkt, den wir auf unsere Prioritätenliste schreiben könnten."
Etwas weniger Tatendrang gibt's bei der SPD. Stadträtin Elli Martius (24, SPD) denkt an die Sicherheit: "Dunkle Ecken sind einfach eine Gefahrenquelle."
Artenschutz sei zwar ein wichtiges Anliegen. "In den Haushaltsverhandlungen müssen wir aber derzeit andere Schwerpunkte setzen. Zum Beispiel auf bezahlbare Kitabeiträge und den Erhalt des DVB-Angebots."
"Wir sollten die Laternentechnik langfristig modernisieren. Aber dafür braucht es keine Hauruckaktion", meint auch Stadtrat Robert Reschke (41, Team Zastrow) und betont: "Funktionierende Infrastruktur wegzuwerfen ist falsch."
Verglichen mit Städten wie Shanghai oder New York sei die Lichtverschmutzung in Dresden marginal. Reschke: "Wenn wir Licht abschalten, retten wir nicht die Welt."