Zwischen Berlin und Dresden steht die höchste Windenergieanlage der Welt: Das Rekord-Windrad in Zahlen

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Schipkau - Das größte Windrad der Welt steht seit einer Woche vollendet im südbrandenburgischen Schipkau. Gebaut wurde der Höhenwindturm in einem schon bestehenden Windpark vom Dresdner Unternehmen Gicon. Es gilt als technische Innovation. Doch ihr Können muss die Pilotanlage nun im Praxistest erst noch beweisen. TAG24 hat das Windrad mal genauer unter die Lupe genommen - der XXL-Koloss in Zahlen.

Mal ein Hingucker: Das Rekord-Windrad ist insgesamt 365 Meter hoch.
Mal ein Hingucker: Das Rekord-Windrad ist insgesamt 365 Meter hoch.  © imago/Rainer Weisflog

740 Tage dauerte die Bauzeit des Höhenwindturms. Die Grundsteinlegung und damit der Baubeginn waren am 19. September 2024. Im November soll die Anlage offiziell ans Netz gehen.

365 Meter beträgt die Gesamthöhe des Windrades, inklusive der riesigen Rotorblätter. Damit gilt es als das höchste Windrad der Welt und das zweithöchste Bauwerk Deutschlands. So ist es nur drei Meter niedriger als der Berliner Fernsehturm.

300 Meter hoch reicht die Anlage bis zur Turbine. Diese Nabenhöhe ist ebenfalls ein Rekord für Windkraftanlagen. Zum Vergleich: Herkömmliche Windräder erreichen nur eine Nabenhöhe von 100 bis 200 Metern.

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126,2 Meter ist der Durchmesser des Rotors der installierten Vensys-126-Turbine. Damit gehört das Rotorblatt eher zu den kleineren Exemplaren moderner Windkraftanlagen. Dies hängt unter anderem mit Statik und Aerodynamik zusammen. Denn in so großer Höhe erzeugt der stärkere und gleichmäßigere Wind trotz kleinem Rotorblatt mehr Energie.

2000 Tonnen wiegt der verbaute Stahl des Gittermasts, der an einen Strommast erinnert. Im Innern befindet sich ein weiterer Turm, an dem die Turbine mit neun Metern pro Stunde per Teleskopmechanismus in ihre Endposition gehoben wurde.

Aus 22.000 Einzelteilen besteht die Stahlgitterkonstruktion des Außenturms. Bisher ist dieser Turm ein Prototyp und seine Puzzleteile müssen erst zur Serienreife entwickelt werden.

Tausende Orte könnten Höhenwindräder erhalten

Zeichnungen und Konstruktionsunterlagen.
Zeichnungen und Konstruktionsunterlagen.  © privat

4000 Standorte könnten in Deutschland mit Höhenwindrädern nachgerüstet werden. Sie könnten als zweite Etage in schon bestehende Windparks integriert werden.

3,8 Megawatt Nennleistung erbringt der Generator des Prototyps. Heißt: Unter optimalen Bedingungen werden maximal 3,8 Millionen Watt an elektrischer Leistung pro Sekunde erzeugt. Anders ausgedrückt: In einer Stunde werden 3800 kWh Strom produziert. Damit könnte man zur gleichen Zeit mehr als 1200 Backöfen oder 1900 Waschmaschinen eine Stunde lang betreiben. Der prognostizierte Jahresstromertrag liegt bei 30 bis 33 Gigawattstunden.

Eine mehr als 200 Prozent höhere Leistungsausbeute - also der doppelte Energieertrag - wird im Vergleich zu herkömmlichen Anlagen bei gleichem Rotordurchmesser erwartet. Dies resultiert aus dem etwa 28 Prozent stärkeren und konstanteren Höhenwind.

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7500 Vier-Personen-Haushalte pro Jahr kann das XXL-Windrad rechnerisch mit Strom versorgen. Weniger als 5 Cent pro Kilowattstunde Stromgestehungskosten werden angestrebt. Darunter versteht man die Gesamtkosten einer Stromerzeugungsanlage bezogen auf die Menge an elektrischem Strom, die sie während ihrer Lebensdauer produziert. Herkömmliche Windanlagen an Land kommen auf 4,3 bis 9,2 ct/kWh.

25 Mio. Euro teuer war der Höhenwindturm. Die reinen Baukosten liegen damit etwa viermal höher als bei einem normalen Windrad.

Bei einer Serienproduktion sollen die Kosten auf 10,8 Mio. Euro sinken.

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Ein Sachse hatte die Idee

Ingenieur und Konstrukteur Horst Bendix (†93).
Ingenieur und Konstrukteur Horst Bendix (†93).  © privat

Das Höhenwindrad basiert auf der Idee des Leipziger Ingenieurs und Konstrukteurs Horst Bendix (†93). Er war in der DDR viele Jahre Technik- und Forschungschef beim Leipziger Schwermaschinenbauer Kirow.

Zweimal wurde er mit dem Nationalpreis der DDR ausgezeichnet, entwickelte unter anderem Braunkohlebagger und Kräne für den Bau des Berliner Fernsehturms.

Sein großer Traum war es jedoch, ein Windrad so groß wie den Eiffelturm zu entwickeln. Im Ruhestand tüftelte er schließlich an seiner Idee des Höhenwindrads und versuchte, Unternehmen für seine Idee zu gewinnen.

Nach etlichen Absagen fand er bei der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND) endlich ein offenes Ohr. Seinen wahr gewordenen Traum konnte er leider nicht mehr erleben. Horst Bendix starb im Jahr 2023.

Dresdner Unternehmen setzt auf Innovation

Die Gicon-Gruppe, 1994 gegründet, ist ein internationaler Verbund von Ingenieur- und Consultingdienstleistern mit Hauptsitz in Dresden.

Ihr Schwerpunkt liegt auf Themen wie nachhaltigen Technologien, Umweltschutz und ressourcenschonenden Bauen. Das Unternehmen versteht sich als Brücke zwischen Wissenschaft und Industrie.

Zum Innovations-Portfolio gehören neben dem Höhenwindturm in Schipkau unter anderem auch das Schwimmende Offshore-Fundament und der GICON-Photobioreaktor zur Kultivierung von Mikroalgen. Infos: gicon.de

Titelfoto: Montage: privat (2), IMAGO/Rainer Weisflog

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