Über Snapchat angeworben: Fälle minderjähriger "Wegwerfkiller" häufen sich
Hamburg - Ein minderjähriger, sogenannter "Wegwerfkiller" soll vor rund drei Monaten den Auftrag bekommen haben, in Hamburg ein Mitglied der "Hells Angels" zu töten. In den Niederlanden ist er strafmündig. Das war nicht der erste Auftrag dieser Art.
Via Snapchat soll der 13-Jährige von einer 26-Jährigen für die Tat angeworben worden sein.
Laut Handydaten, die durch die niederländische Polizei nachverfolgt werden konnten, hatte die Frau den Teenager offenbar bis zur Grenze begleitet. Spiegel TV berichtete über den Fall.
Sein Bruder soll außerdem gewusst haben, dass er auf dem Weg nach Hamburg war. Auch ein Bekannter des Jungen will vom Auftrag gewusst haben, hieß es in niederländischen Medien.
Ende Juni wurde der 13-jährige Niederländer - mutmaßlicher Auftragsmörder der Al-Zein-Familie - dann in der Balduinstraße auf St. Pauli Nähe der Reeperbahn festgenommen.
Bei seiner Festnahme trug der Teenager offenbar eine scharfe Waffe, Patronen sowie Bargeld bei sich.
Nachdem die deutsche Polizei Stefano G., wie der Junge von Spiegel TV zum Schutz der Familie genannt wird, festnahm, musste er zurück in seine Heimat.
Dort sitzt der mutmaßliche Auftragstäter nun in U-Haft. In den Niederlanden sind auch 13-Jährige bereits strafmündig.
Bundeskriminalamt: Phänomen "Wegwerfkiller" unglaublich schwer zu bekämpfen
Es ist nicht der erste Fall von "angeheuerten Kinderkillern" aus den Niederlanden. Fälle wie diese häufen sich inzwischen.
Im Januar 2025 zeichnete eine Überwachungskamera auf, wie ein minderjähriger Täter auf einen Kioskbetreiber schießt. Die Hintergründe seien noch immer unklar. Auch in Frankfurt am Main seien Fälle wie diese bekannt.
Beispielsweise aus August 2025. Ein Jugendlicher warf eine bereits vorbereitete Brandvorrichtung in einem Café im Stadtteil Bockenheim. Das zeigen Überwachungsbilder des Lokals. Die Hintergründe bleiben auch hier unklar. Gerüchten zufolge habe der Inhaber seine Kneipe nicht verkaufen wollen.
Erstmals zeigte sich im Januar 2025 in der Hansestadt, was hinter den sogenannten "Wegwerftätern" steckt.
Ein Jugendlicher war im Bahnhofsviertel in ein Restaurant gelaufen und hatte einem Mann - laut Ermittlungen einer tschetschenischen Unterweltgröße - ins Bein geschossen. Danach flüchtete der Teenager.
Das Bundeskriminalamt ordnet Taten wie diese inzwischen zur "Gewalt als Dienstleistung" ein. Die Ausführenden würden häufig entweder via Snapchat oder Telegram angeworben. Häufig existierten dort Gruppen, die sich wörtlich übersetzt "Schnelles Geld machen" nennen. Laut Bundeskriminalamt sei es "unglaublich schwierig", das Phänomen zu bekämpfen.
Titelfoto: Markus Lenhardt/dpa

