Kunst gegen Krieg: Ukrainische Künstlerin Natalia Dinsel-Bondarenko stellt ihre Werke im AEZ aus

Hamburg – Seit dem heutigen Montag stellt die ukrainische Künstlerin Natalia Dinsel-Bondarenko eine Woche lang eine Auswahl ihrer Werke im Alstertal-Einkaufszentrum (AEZ) in Hamburg aus. Mit dem Erlös der verkauften Bilder unterstützt sie zu hundert Prozent die ukrainischen Hilfsprojekte aus dem Städtepakt Hamburg-Kyiv. Im Gespräch mit TAG24 verriet die Wahl-Hamburgerin die Intention hinter ihren Bildern und ihren persönlichen Umgang mit der Kriegssituation in ihrem Heimatland.

Natalia Dinsel-Bondarenko im AEZ vor einer Auswahl ihrer Werke.
Natalia Dinsel-Bondarenko im AEZ vor einer Auswahl ihrer Werke.  © Madita Eggers/TAG24

Seitdem 24. Februar 2022 ist die Welt nicht mehr dieselbe. Mitten in Europa herrscht seit diesem Donnerstag vor fast einem Jahr Krieg. Natalia Dinsel-Bondarenko kann sich noch gut an den Tag erinnern: "Ich bin in der Nacht um 5 Uhr aufgewacht und habe nach meinem Handy gegriffen. Ein Bekannter schrieb mir: 'Guck die Nachrichten'", so die Künstlerin im Gespräch mit TAG24.

Und was sie las und am Telefon von ihrer in der Ukraine lebenden Mama hörte, versetzte die Wahl-Hamburgerin in einen Schockzustand. "Auch weil jede Stunde wieder etwas Schreckliches passiert ist. Ich wusste bis dahin nicht, was Krieg ist. Man hört immer wieder vom Krieg, aber wenn es nicht in der Nähe ist, kannst du es nicht greifen."

Sie und ihre Familie kommen aus dem Westen der Ukraine, laut Dinsel-Bondarenko war ein Krieg für die Menschen dort so undenkbar wie hier in Deutschland:

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"Selbst als die Soldaten schon wochenlang an der Grenze positioniert waren, wollte es keiner wahrhaben."

Natalia Dinsel-Bondarenko erlitt ein kreatives Burnout

Natalia Dinsel-Bondarenko vor einem ihrer drei Bilder aus der "Konfetti"-Reihe. Ihre Bilder vermitteln dank mehrerer Schichten einen 3D-Effekt.
Natalia Dinsel-Bondarenko vor einem ihrer drei Bilder aus der "Konfetti"-Reihe. Ihre Bilder vermitteln dank mehrerer Schichten einen 3D-Effekt.  © Sabine Skiba

Doch leider ist es wahr geworden und die Künstlerin erlebte ein kreatives Burnout. "Ich hatte keine Kraft etwas auszustellen oder zu malen", gestand die Ukrainerin.

"Im Sommer habe ich mich dann aber wieder gesammelt und überlegt, wie ich helfen kann. Natürlich hätte ich meine Bilder einfach so verkaufen und spenden können. Es entsteht aber mehr Aufmerksamkeit, wenn ich mit jemanden kooperiere und eine Spendenaktion veranstalte."

Und durch mehrere Zufälle wurde ihr Wunsch schneller erhört, als erwartet. Auf einem Event im Juli kam Natalia Dinsel-Bondarenko mit einem Vorstandsmitglied der Sparkasse Holstein ins Gespräch, die im September eine Kunstausstellung geplant hatten und gerne mit ihr zugunsten der Ukraine kooperieren wurden. Darüber entstand der Kontakt zur Leiterin der "Galerie im Marstall" in Ahrensburg, Dr. Katharina Schlüter, die Dinsel-Bondarenko weiterempfahl und schließlich folgte die E-Mail vom AEZ.

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"Wir stehen den Menschen in der Ukraine in dieser schweren Zeit zur Seite und hoffen auf viele interessierte Ausstellungs-Besucher*innen sowie möglichst viel Geld für die humanitäre Hilfe vor Ort", sagte Ludmila Brendel, Center-Managerin des AEZ.

Natalia Dinsel-Bondarenko: "Ich bin den Menschen in Deutschland sehr dankbar"

Lebensfreude an der Wand. Auch ein Teil von Hamburg ist hier zu sehen. In das Bild "Summertime" (unten links) ist Sand vom Elbstrand verarbeitet.
Lebensfreude an der Wand. Auch ein Teil von Hamburg ist hier zu sehen. In das Bild "Summertime" (unten links) ist Sand vom Elbstrand verarbeitet.  © Madita Eggers/TAG24

"Ich bin den Menschen in Deutschland sehr dankbar, dass sie so mitfühlen. Für mich ist das teilweise schwer zu verstehen, weil es nicht ihr Land ist. Aber es berührt mich", so Dinsel-Bondarenko, die ihre Bilder gerne als "Teil von etwas anderem" ausstellt.

"Zu Ausstellung kommen nicht so viele Menschen, wie tagtäglich ein Einkaufszentrum besuchen. Je mehr Besucher, desto höher ist die Chance, dass sich jemand in eines meiner Bilder verliebt."

Die Bildpreise der Künstlerin starten bei um die 4000 Euro. "Wenn nur ein Bild verkauft wird, hat sich das alles schon gelohnt. Jeder Cent zählt.

Deswegen werde ich auch nicht feilschen und 200 Euro mit dem Preis heruntergehen, weil ich genau weiß, wie viele Medikamente beispielsweise in der Ukraine mit 200 Euro gekauft werden können", betont Dinsel-Bondarenko.

Natalia Dinsel-Bondarenko Bilder strahlen Lebensfreude aus

Jedes ihrer Werke strahlt eine gewisse Lebensfreude aus. Selbst, wenn die Künstlerin beim Entstehungsprozess etwas ganz anderes gefühlt hat. "Es ist so eine Art Alchemie, dass ich meine Traurigkeit in etwas Positives verwandle", so die studierte Psychologin, die neben ihre Kunst auch als Coach arbeitet und immer versucht, dass wahre Leben in ihren Bildern zu zeigen. Deswegen lasse sie auch absichtlich die nicht perfekten Stellen in ihren Bildern: "Ich liebe sie. Sie zeigen, dass Leben kann schön sein, auch wenn es nicht perfekt ist."

"Es gibt nie nur eine Schicht. Es gibt auch Bilder, wo unter dem Bild mehrere Bilder sind. Das heißt nicht, dass ich es übermalt habe. Es ist wie bei einem Buch mit mehreren Kapiteln. Ich bin manchmal so in meinem Dialog mit dem Bild, dass ich teilweise verzweifle, weil ich merke, dass ich die Geschichte nicht zu Ende erzählt habe. Und plötzlich habe ich einen Einfall, als war die Lösung schon all die Zeit in mir und dann habe ich das perfekte Ende und ich denke mir: Wow."

Von diesem Wow-Effekt ihrer Bilder können sich die Besucher des AEZ noch bis Samstag, 28. Januar, selbst überzeugen.

Titelfoto: Sabine Skiba

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