"Wo war der Kanzler?" St. Pauli Theater startet nach Sachsen-Anhalt-Wahl politisch
Hamburg - Mit seiner traditionellen Eröffnungsgala ist das Hamburger St. Pauli Theater am Spielbudenplatz am Montagabend in seine neue Spielzeit gestartet. Getreu dem Motto "Unterhaltung mit Haltung" nutzte Intendant Ulrich Waller (70) die Bühne direkt zu Beginn für ein politisches Statement nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt. Ein Thema, welches sich durch den gesamten Abend zog.
Nach der Begrüßung der (Stamm-)Gäste, langjähriger Wegbegleiter, Schauspieler und Sängerinnen erlaubte sich Waller zunächst eine "private Bemerkung".
"Als ich heute Morgen aufgewacht bin, dachte ich: Was war denn das gestern? Aber als ich auf mein Handy geguckt habe, war mir klar: Das ist keine Fata Morgana. Das ist die Realität."
Besonders eine Frage hat ihn nicht losgelassen: "Wo war der Kanzler gestern? Warum hat er sich wieder weggeduckt? An so einem historischen Tag und den Deutungsraum Figuren wie [Alice] Weidel und [Tino] Chrupalla überlassen."
Auch bei den Auftritten der Generalsekretäre, "die unsere Demokratie retten sollen", sei ihm schummrig geworden. "Und mir wurde klar, das dürfen wir nicht solchen Berufsanfängern überlassen. Das müssen wir jetzt selbst in die Hand nehmen."
Weitere Einordnungen der Ereignisse in Sachsen-Anhalt überließ Waller "kompetenten Fachkräften" des Kabaretts: Matthias Deutschmann (67) und Arnulf Rating (74). Beide werden mit ihren Programmen "Propaganda à la carte" und "Ware Lügen" in der Saison 2026/2027 auf die Bühne des St. Pauli Theaters zurückkehren.
Premiere im St. Pauli Theater: Stumme Masken erstmals auf der Reeperbahn zu Gast
Es folgten weitere (weniger politische) "Appetithäppchen" des neuen Programms, mit denen das Theater die neue Saison schmackhaft machen wollte. Durch die Gala führte erstmals der Kabarettist Sebastian 23 (47).
Zu den weiteren Künstlerinnen und Künstlern des Abends gehörten unter anderem Tim Fischer, Fjarill, Herbert Knaup, Anneke Schwabe und Stefan Gwildis.
Letzterer zeigte sich begeistert vom Publikum: "Nur im St. Pauli Theater wird Jazz mitgesungen!" Zugleich gab er einen Ausblick auf die Premiere seines neuen Programms am 1. und 2. Dezember 2026 im St. Pauli Theater.
Nach der Pause folgten Ausschnitte aus "Wunder" von der international bekannten Maskentheater-Company "Familie Flöz", die vom 6. Oktober bis zum 1. November erstmals auf der Reeperbahn gastieren wird.
In Zusammenarbeit mit dem St. Pauli Theater entstand eine Inszenierung, die sich mit dem Mythos und den "besonderen Zauberhaftigkeiten" von St. Pauli beschäftigt. Und das ganz ohne Dialoge.
"Wunder" versteht sich als ein Märchen ohne Worte für Erwachsene, mit einer poetischen Mischung aus Drama, Komik und Musik. Die riesigen, markanten Masken sorgten bereits am Montagabend während der Pause für Eindruck, als sich einzelne Schauspielende unter das Publikum mischten.
Das gesamte Programm und mehr zu Saison 2026/2027 unter st-pauli-theater.de/spielplan.
Titelfoto: St. Pauli Theater

