Hamburg - Fremde Menschen kommen zusammen, sind in Gesellschaft und finden neue Kontakte. Das ist das Konzept vom Alleinsamkeitscafé in Hamburg-Eimsbüttel. Jeder darf hinkommen. Die Idee dazu hatte Initiator Christoph bereits vor sieben Jahren. Er selbst hat in der Vergangenheit Erfahrung mit dem Gefühl der Einsamkeit gemacht.
Aktuell ist der 46-Jährige hauptberuflich als Peer in der Wohnungslosenhilfe bei Housing First Rautenberg tätig. Einmal in der Woche öffnet er zusätzlich die Türen des Cafés, erklärt Christoph im Gespräch mit TAG24. So kommen beispielsweise Menschen als Gäste, die neu in der Stadt sind, sich einsam fühlen und neue Kontakte suchen.
Doch nicht nur bei seinen Gästen ist die "Alleinsamkeit" immer wieder Thema. Früher arbeitete der 46-Jährige im Rettungsdienst - ein Job, der auch emotional immer wieder viel abverlangt.
"Ich glaube, was Menschen mit dem Rettungsdienst verbinden, sind oftmals diese ultrakrassen Einsätze, wo es um Leben und Tod geht. Aber was es viel mehr gibt, ist die soziale Einsamkeit", erklärt der 46-Jährige.
Einige Zeit später habe Christoph bemerkt, dass es mehr ist als die körperliche Versorgung, was er den Menschen geben möchte.
Nach dem Ausstieg aus dem Rettungsdienst hat er sich im psychosozialen Bereich weitergebildet. Sein Wissen könne er nun in seinem heutigen Berufsfeld einfließen lassen. Hinzu kommt, dass er selbst vor 16 Jahren insgesamt zwei Jahre obdachlos gewesen ist.
Alleinsamkeitscafé-Initiator Christoph war früher selbst obdachlos
"Ich habe in dieser Zeit auch erlebt, wie unglaublich herablassend Menschen mit anderen umgehen. Und gar nicht mal böswillig, sondern einfach aus der Angst heraus, vielleicht selbst dort zu landen."
So würden Betroffene nach Angaben von Christoph das Scheitern im Leben spiegeln. "Also sind sie der Spiegel für ihre größte Angst." Was ihn während dieser Zeit ebenfalls begleitete: die Einsamkeit. "Es ist nur ganz selten, dass da mal Freundschaften auf der Straße entstehen."
So gehe es vielmehr ums Überleben: "Draußen muss man schon sehr aufpassen, nicht gefährdet zu sein, sein Leben zu verlieren."
Durch die Hilfe verschiedener Menschen schaffte Christoph schließlich den Weg aus der Obdachlosigkeit raus und begann schließlich die Arbeit im Rettungsdienst. Für das Alleinsamkeitscafé und seinen heutigen Job in der Wohnungslosenhilfe kann der 46-Jährige jedoch auch etwas Positives aus der Zeit auf der Straße mitnehmen.
"Heute verdiene ich mein Geld mit meinen Erfahrungen. Ich hätte nicht gedacht, dass meine geglaubt größte Schwäche zu meiner größten Stärke wird."
Initiator Christoph bietet jeden Dienstag ein Treffen im Alleinsamkeitscafé an
Seit über einem Jahr gibt es das Alleinsamkeitscafé nun bereits. "Ich kann etwas dazu beitragen, dass ein Ort geschaffen wird, wo Menschen zusammenkommen können. Wo sie vielleicht für zwei Stunden den Alltag vergessen", so Christoph.
So gibt es neben kostenlosem Kaffee und Kuchen dort auch immer wieder spannende Events, teilweise mit Promis. Erst vor Kurzem kam Moderator und Autor Tobias Schlegl (49) vorbei, um aus seinem neuesten Buch vorzulesen.
Das Alleinsamkeitscafé öffnet jeden Dienstag von 16 Uhr bis 18 Uhr in der Amandastraße 58 in Hamburg-Eimsbüttel seine Türen.