Hamburg - Für die Bewohnerinnen und Bewohner der Holstenstraße 197 ist weiterhin kein Aufatmen in Sicht. Noch immer steht kein Gerüst an dem von einem Teilabriss betroffenen Altbauhaus in Hamburg-Altona. Das Haus verkommt mehr und mehr.
"Wie viele Tage, Wochen und Monate braucht es, um ein Gerüst aufzustellen?", schreiben die Betroffenen unter einem Instagram-Post am Montagabend.
"Vor über zwei Monaten haben wir unser Zuhause verloren. Jetzt müssen wir zusehen, wie es immer weiter verfällt."
Vor Wochen war den Bewohnerinnen und Bewohnern des eigentlich denkmalgeschützten Hauses ein Wetterschutzgerüst versprochen worden, das die restlichen Sachen vor Witterung bewahren sollte. Bis heute steht der wegen des Abrisses zerstörte Anbau ungeschützt offen.
Am 11. August wurde der hintere Teil der Holstenstraße 197 abgerissen, seit mehreren Wochen ist die aktuelle Ruine nun Regen, Wind, Kälte und inzwischen sogar frostigen Nächten ausgesetzt. Die Folgen sind bereits sichtbar: Eine großflächige Schimmelbildung ist nicht zu übersehen.
Die Bewohnerinnen und Bewohner nehmen nicht nur ihren Vermieter in die Verantwortung, sondern prangern auch das Bezirksamt Altona an, das die schützenden Maßnahmen versprochen hatte. Als Grund sei laut Anwohnerinnen und Anwohnern die "statische Herausforderung" genannt worden. Unter anderem ginge es um die Windlasten eines frei stehenden Gerüsts, heiße es. Die Fragen der Betroffenen:
"Wenn das Gerüst nicht aufgestellt werden kann, warum gibt es dann keine kurzfristige Lösung, um das Haus wenigstens vor der Witterung zu schützen? Wurden andere Möglichkeiten geprüft? Wie kann es sein, dass es innerhalb von über zwei Monaten nicht gelingt, eine adäquate Lösung zu finden, um unser Zuhause vor weiterem Verfall zu schützen?"
Ist der Altbau noch zu retten?
Auf eine diesbezügliche Nachfrage von TAG24 erklärte Mike Schlink, Pressesprecher des Bezirksamts Altona, am Dienstagmorgen sich äußern zu wollen. Bislang blieb die Anfrage aber unbeantwortet.
Die betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner sind "unfassbar wütend und traurig darüber", wie ihr Zuhause immer weiter kaputtgeht, erklären sie.
Man frage sich inzwischen, ob der Schutz des Hauses überhaupt noch realistisch sei oder ob man einen Verfall vonseiten der Behörden inzwischen einfach hinnehme.
Daneben werfen die Anwohner dem Bezirksamt ebenso vor, bei dem Bezug der Ersatzwohnung in der Chemnitzstraße allein gelassen zu werden.
Was eigentlich zum 1. Oktober in trockenen Tüchern hätte sein sollen, zieht sich weiter in die Länge.
Hebebühne für Bergung zu klein
Am Dienstag sollten nun wenigstens weitere Möbel aus den gesperrten Wohnungen geholt werden, berichten die vom Teilabriss betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner.
Dennoch stehe man auch hier vor einem Problem. Laut Angaben der Betroffenen habe der Eigentümer des Altbaus zwar ein Umzugsunternehmen informiert, allerdings keinerlei Informationen weitergeben, um welche Art Möbeltransport es sich handle.
Erst bei Ankunft seien die Arbeiter über die Situation von den Anwohnerinnen und Anwohnern in Kenntnis gesetzt worden.
"Es zeigt einmal mehr, dass der Eigentümer keinerlei Interesse an uns und dem Haus hat. Und wir sind diejenigen, die die Konsequenzen tragen", erklären die Betroffenen und ergänzen, dass man inzwischen auch in diesem Fall nicht wisse, ob die Rettungsaktion der Möbel demnach am Dienstag überhaupt noch stattfinden könne oder nicht.
Auch am Nachmittag scheint sich noch nicht viel getan zu haben. Es sei eine zu kurze Hebebühne bestellt worden, die nur bis in den zweiten Stock reiche.