Kranführer nach tödlichem Gondelabsturz vor Gericht: "Ich habe drei Kollegen verloren"

Von Marco Krefting

Horb - Nach einem tödlichen Unfall auf einer Brückenbaustelle im Nordschwarzwald hat der angeklagte Kranführer vor Gericht Angehörigen der drei Toten kondoliert.

Der Angeklagte sprach den Hinterbliebenen zunächst sein Beileid aus.  © Silas Stein/dpa

"Mein herzliches Beileid", sagte der 38-Jährige zu Beginn seiner Aussage. Hinterbliebene sind zwar Nebenkläger in dem Prozess, sie waren aber beim ersten Verhandlungstag nicht im Amtsgericht Horb im Landkreis Freudenstadt.

"Ich habe drei Kollegen verloren", verlas sein Rechtsanwalt dann eine Erklärung des Angeklagten. "Ich trage diesen Verlust als Mensch, nicht als Täter." Die Verantwortung für das Unglück habe die Bauleitung. 

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Kranführer fahrlässige Tötung vor. Er hätte aus Sicht der Behörde sorgfältiger arbeiten müssen.

Anzeige

Gondel stürzte in die Tiefe

Bei dem tödlichen Unglück war ein Befestigungsseil im Mai 2025 gerissen.  © Silas Stein/dpa

Das Unglück vom Mai 2025 in Horb am Neckar hatte weit über die Region hinaus Entsetzen ausgelöst. Ein Befestigungsseil war gerissen. Drei Arbeiter stürzten mit der zuvor an einem Kran hängenden Gondel aus einer Höhe von etwa 55 Metern in die Tiefe. Die Männer im Alter von 40 bis 46 Jahren - zwei Polen und ein Deutscher - waren sofort tot.

Die Ermittler waren schon bald nach dem Absturz von menschlichem Versagen als Ursache ausgegangen. Technische Mängel könnten ausgeschlossen werden, teilte die Staatsanwaltschaft nach Abschluss der Ermittlungen mit. Die Brücke soll voraussichtlich 2028 fertiggestellt werden.

Das Amtsgericht erließ gegen den Kranführer einen Strafbefehl, welcher eine Freiheitsstrafe von zwölf Monaten vorsieht - ausgesetzt zur Bewährung. Im Bewährungsbeschluss wurde dem Angeklagten eine Geldauflage in Höhe von 10.000 Euro erteilt, wie das Gericht mitteilte.

Gerichtsprozesse Baden-Württemberg Skandal in TikTok-Praxis: Falscher Schönheitsarzt täuschte "Dr. Rick" und "Dr. Nick" und muss in den Knast

Dagegen legte der Mann Einspruch ein, daher wird jetzt verhandelt. Ein Urteil könnte das Gericht nach aktueller Planung am 26. November sprechen.

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse Baden-Württemberg: