Ehepaar mit Beil getötet? 45-Jähriger weist Vorwürfe zurück
Von Ulf Vogler
Memmingen - Nach dem Mord an einem Ehepaar in Memmingen im Februar bestreitet der wegen zweifachen Mordes angeklagte Mann vor Gericht die Tat. Sein Verteidiger erklärte zum Prozessauftakt, der Angeklagte habe die 68-Jährige und ihren 72-jährigen Ehemann nicht getötet.
Über die von seinem Rechtsanwalt verlesene Erklärung hinaus machte der 45-Jährige zunächst keine Angaben. Der Mann war früher mit der Tochter des getöteten Ehepaares verheiratet. Hintergrund der Gewalttat waren nach Ansicht der Ermittler Streitigkeiten mit seinen einstigen Schwiegereltern.
Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft war der Mann an einem Morgen Mitte Februar in das Einfamilienhaus eingedrungen. Danach soll er die Eheleute in deren Wohnung mit einem Gipserbeil erschlagen haben. Ein solches Beil wird von Handwerkern besonders bei Bauarbeiten eingesetzt.
Die Frau soll er in der Küche mit mindestens zwölf Schlägen getötet haben, den Mann mit 21 Schlägen im Bereich des Schlafzimmers. Dort hatte der 72-Jährige nach Angaben der Ermittler einen Baseballschläger deponiert, um sich im Fall eines Angriffs zu verteidigen.
Das Opfer konnte nach dem Schläger aber nicht mehr greifen.
Ermittler sehen Rache für Familienstreitigkeiten als Motiv
Das Motiv soll laut Anklage Rache gewesen sein. Der 45-jährige Deutsch-Iraker habe das Seniorenpaar für die Trennung von seiner Ex-Frau verantwortlich gemacht. Zudem wollte er sich nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft auch für rassistisches Verhalten des getöteten Mannes ihm gegenüber rächen.
Ebenso soll der 72-Jährige den Sohn des Angeklagten körperlich verletzt haben. Schließlich soll es dem 45-Jährigen auch darum gegangen sein, seine Ex-Partnerin durch Tötung ihrer Eltern zu bestrafen.
Nach der Bluttat im Memminger Ortsteil Steinheim konnte der Täter zunächst unerkannt entkommen. Es dauerte auch einige Zeit, bis die Opfer entdeckt wurden. Die Toten wurden am Abend des Aschermittwochs gefunden. Entsprechend ging die Kripo zunächst davon aus, dass dies auch der Tattag war. In der Anklage heißt es nun, dass der Täter schon am Dienstagmorgen in das Haus eingedrungen sei und die Eheleute überfallen habe.
Für den Prozess sind zunächst zehn Verhandlungstage geplant, ein Urteil könnte es Mitte November geben. Bis dahin sollen mehr als 40 Zeugen und fünf Sachverständige in dem Verfahren aussagen.
Titelfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

