Er versprach 400 Prozent Rendite: Gehörloser Betrüger zockte gehörlose Opfer ab
Dresden - Michael G. (45) soll gutgläubige Anleger um ihre Ersparnisse gebracht haben. Laut Anklage nutzte der IT-Informatiker die Kohle für seinen Lebensunterhalt und für Glücksspiele. Der Prozess am Landgericht Dresden ist eine Herausforderung: Der Angeklagte und all seine 40 Opfer sind gehörlos.
So bot Michael ein angeblich von ihm entwickeltes Geldanlage-Modell an, versprach bis zu 400 Prozent Rendite!
Auf diese Weise soll er 808.000 Euro kassiert haben. Etwas Geld legte er zwar an, wusste aber, dass die versprochene Rendite nie erreicht wird.
An einige Anleger zahlte er insgesamt 140.000 Euro zurück. "Das waren keine Gewinne aus angelegtem Geld, sondern eingenommene Gelder anderer Opfer", sagte die Staatsanwältin.
Kurz: ein klassisches Schneeballsystem. Die verbleibenden 668.000 Euro nutzte er zum Zocken.
30 Prozesstage geplant
Vorerst plant die Kammer mit über 30 Prozesstagen. Michael ist, wie all seine Opfer, gehörlos. Die sächsische Justiz wird sich daran messen lassen müssen, wie professionell sie mit derart eingeschränkten Menschen umgeht.
Zwar agieren pro Verhandlungstag mindestens zwei Gebärdendolmetscher. Aber Michael ist seit April in U-Haft. Dort droht ihm die völlige Isolation.
So müssten nach Vorgaben des Amtsarztes und des Gerichts seit Wochen im Knast Sonderbedingungen für ihn organisiert sein: Demnach benötigt der Angeklagte einen Vibrationswecker, eine "Lichtanlage" an der Zelle, um Personen, die den Raum betreten wollen, anzukündigen. Außerdem Technik für Videocalls.
"Nichts davon ist umgesetzt", so Robert Zukowski, einer seiner Anwälte. Im Gegenteil: Vor vier Wochen ordnete der Richter an, Michael die Anklage und weitere Dokumente in Haft durch Dolmetscher vortragen zu lassen.
Bisher geschah nichts! Und ob es nötig ist, einen Angeklagten, dessen einziges Kommunikationsmittel die Hände sind, an den Händen gefesselt in den Prozesssaal zu bringen, bedürfte vermutlich auch noch einer Klärung.
Titelfoto: Bildmontage: Thomas Türpe

