Sex im Lkw: Vergewaltigung - oder nicht? Richter glaubt beiden
Dresden - Missverständnis oder Verbrechen? Noch immer läuft das Verfahren wegen einer angeblichen Vergewaltigung am 14. Dezember 2020. Dass Fernfahrer Daniel T. (46) an diesem Tag Verkehr mit Maria K.* (39, verheiratet) hatte, streitet er gar nicht ab. Doch laut der Frau wollte sie das nicht. Der Richter glaubt beiden und doch sieht er bislang nur wenig Anlass, den Angeklagten zu verurteilen.
Anfang 2020 lernten sich Daniel T. und Maria K. kennen, tauschten Nummern aus. Schon beim zweiten Treffen kam es zum Sex, beim dritten auch.
Im Einvernehmen auch mit Würgegriffen am Hals. Doch beim vierten Treffen im Laster des Fernfahrers ging es schief: "Ich habe sie an der Kapuze festgehalten, dann kam es zum Akt", sagt Daniel T. "Dann ist sie plötzlich hysterisch geworden. Ich hatte noch gefragt, was los sei, aber da kam keine Antwort."
Maria K. wiederum sagt, man habe sich nur auf einen Kaffee treffen wollen: "Ich habe gesagt: Nein, ich möchte nicht", sagt sie. "Da kam null Reaktion."
Daniel T. will keine Ablehnung gehört haben. "Ich weiß nicht, ob er es ignoriert hat oder in dem Moment nicht wahrgenommen hat", sagt sie. Bei früheren Treffen habe er aufgehört, wenn sie etwas gesagt habe.
Angeklagter wurde bereits zweimal freigesprochen
An dieser Stelle liegt für das Gericht der Knackpunkt: Vergewaltigung setzt voraus, dass Daniel T. die Ablehnung auch bemerkt hat.
Er wurde bereits vom Meißner Amtsgericht Ende 2022 freigesprochen, in der Berufung vom Landgericht noch mal im Juli 2023.
Allerdings legte Maria K. Revision ein, weshalb das Oberlandesgericht das Urteil wieder aufhob und nun noch einmal am Dresdner Landgericht verhandelt werden muss.
"Ich habe keinen Zweifel, dass es so war", sagte der Richter zur Version der Frau. "Aber auch der Angeklagte sagt aus unserer Sicht die Wahrheit." Der Prozess wird fortgesetzt.
*Name geändert
Titelfoto: Montage: Thomas Türpe, Holm Helis

