Wird der Prozess um Nord-Stream-Anschlag eingestellt? Entscheidung steht fest
Von Martin Fischer, Christiane Bosch
Hamburg - Der Hamburger Prozess um den Anschlag auf die Nord-Stream-Pipelines wird nicht eingestellt. Einen entsprechenden Antrag der Verteidigung hat das Hanseatische Oberlandesgericht am zweiten Prozesstag am Dienstag abgelehnt.
"Nach deutschem Recht ist der Angeklagte nicht in seiner Verteidigung eingeschränkt", sagte die Vorsitzende Richterin zur Begründung. Die Aussagefreiheit in Deutschland sei durch das Dienstrecht eines fremden Staates nicht beschränkt.
Die Verteidigung hatte die Einstellung beantragt, weil der Angeklagte in seiner einstigen Funktion als Offizier einer Geheimhaltungspflicht unterliege und sich deshalb weder mit seinen Verteidigern besprechen noch vor Gericht aussagen dürfte. Ihm würden sonst hohe Strafen in der Ukraine drohen.
Damit geht der Prozess gegen den 50 Jahre alten Angeklagten wie geplant weiter. Es soll im Verlauf des Tages ein Sachverständiger des Bundeskriminalamtes zum Schaden an den Pipelines und zur Explosionsursache gehört werden.
Am 26. September 2022 waren am Grund der Ostsee vor der dänischen Insel Bornholm in etwa 80 Metern Tiefe mehrere Sprengsätze detoniert.
Die beiden Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 wurden massiv beschädigt. Insgesamt gab es vier Lecks an drei der insgesamt vier Leitungen.
Prozess um Nord-Stream-Anschlag: Drahtzieher soll Explosionen mit weiteren Tätern verursacht haben
Wegen des wohl spektakulärsten Sabotageaktes der deutschen Nachkriegsgeschichte steht der 50 Jahre alte frühere Offizier einer Spezialeinheit der ukrainischen Armee, Serhij K., vor Gericht.
Der Vertreter des Generalbundesanwalts wirft dem Angeklagten vor, der Drahtzieher hinter der Sprengung der Ostsee-Gaspipelines gewesen zu sein. Er soll die Explosionen gemeinsam mit sechs weiteren Tätern verursacht haben.
Wegen des Einsatzes verbotener Methoden der Kriegsführung durch einen Angriff gegen zivile Objekte lautet die Anklage auf Kriegsverbrechen.
Außerdem wird der 50-Jährige beschuldigt, eine Sprengstoffexplosion herbeigeführt, Bauwerke zerstört und öffentliche Betriebe gestört zu haben.
Erstmeldung am 26. Oktober um 18.52 Uhr, aktualisiert am 27. Oktober um 14.23 Uhr
Titelfoto: Bildmontage: Uli Deck/dpa, -/Danish Defence Command/dpa

