Last Minute! Weidling kommt zum Foht-Prozess und steht bald selbst vor dem Richter

Leipzig - Im Korruptionsskandal beim MDR geht der Prozess gegen den einstigen Unterhaltungs-Chef Udo Foht (72) auf die Zielgerade. Zum Schluss gibt es noch eine Überraschung: Das Landgericht hat nun doch Ex-Moderator Carsten Weidling (56) als Zeugen geladen. Ab April steht der heute in Argentinien lebende Autor dann selbst vor dem Kadi - wegen Erpressung.

Sagt am 27. Januar in Leipzig vor Gericht aus: Ex-"Riverboat"-Moderator Carsten Weidling (56), der aktuell in Argentinien lebt.
Sagt am 27. Januar in Leipzig vor Gericht aus: Ex-"Riverboat"-Moderator Carsten Weidling (56), der aktuell in Argentinien lebt.  © privat

Am 27. Januar hat er seit langem mal wieder einen großen Auftritt: Carsten Weidling, Sohn der DDR-Fernsehlegende O.F. Weidling (1924-1985), wird dann als Zeuge im Foht-Prozess aussagen. "Ja, ich werde nach Leipzig kommen - die Flüge sind gebucht", mailte die einstige TV-Hoffnung des MDR an TAG24 aus Buenos Aires.

Nachdem beim Prozess ohnehin ständig über ihn gesprochen werde, hoffe er, helfen zu können, der ganzen Sache nach nun elfeinhalb Jahren endlich ein Ende zu bereiten.

Die Richter wollen von Weidling vor allem wissen, welche Abhängigkeiten es zwischen ihm und Foht gab. Immerhin hatte der als Unterhaltungs-Chef ein riesiges betrügerisches Schneeballsystem losgetreten, um bei TV-Produzenten und Musikmanagern Zehntausende Euro an Produktionskosten für den Weltreisenden Weidling aufzutreiben.

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Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Foht von Weidling erpresst wurde. Angeblich soll der Moderator seinem Förderer gedroht haben, ihn ob dessen dubiosen Finanzgebarens bei der MDR-Intendanz anzuschwärzen.

Schon 2013 wurde Weidling wegen Erpressung angeklagt. Laut Anklage soll er von Foht einen Autorenwerkvertrag über 120.000 Euro gefordert haben.

Der frühere MDR-Unterhaltungs-Chef Udo Foht (72) steht seit September 2022 wegen Betruges vor Gericht.
Der frühere MDR-Unterhaltungs-Chef Udo Foht (72) steht seit September 2022 wegen Betruges vor Gericht.  © Ralf Seegers

Ab April wird gegen Carsten Weidling verhandelt

Die Leipziger MDR-Zentrale - hier rollte bis 2011 ein betrügerisches Schneeballsystem, um immer neues Geld für die Produktionen von TV-Autor Carsten Weidling zu beschaffen.
Die Leipziger MDR-Zentrale - hier rollte bis 2011 ein betrügerisches Schneeballsystem, um immer neues Geld für die Produktionen von TV-Autor Carsten Weidling zu beschaffen.  © Ralf Seegers

Im laufenden Prozess hatte Foht allerdings bestritten, von Weidling erpresst worden zu sein. Vielmehr habe er in dem O.F.-Sohn einen Hoffnungsträger für neue TV-Unterhaltungsformate gesehen und ihn deshalb gefördert, behauptete Foht.

Auch Weidling hatte gegenüber TAG24 stets bestritten, seinen Förderer erpresst zu haben.

Fast zehn Jahre nach Anklageeingang hat das Landgericht nun auch einen Termin für den Prozess gegen Weidling gefunden.

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Ab dem 19. April soll gegen den Ex-Moderator verhandelt werden, wie eine Gerichtssprecherin am Freitag bestätigte.

Geplant sind vorerst drei Verhandlungstage.

Titelfoto: Montage Ralf Seegers ; privat

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