Mann soll hilflose Partnerin sterben lassen haben: Dann ließ er die Leiche mit den Kindern zurück

München – Eine Frau erleidet einen Sturz, doch ihr Partner holt keine Hilfe – fünf Tage lang. Die Mutter zweier Kinder stirbt. Im Totschlagsprozess geht es auch um die Frage: Konnte der Alkoholiker gar nicht erkennen, wie es um seine Freundin stand?

Der Angeklagte (Mitte rechts) steht im Gerichtssaal vor seinen beiden Anwälten und wird von seinem Bruder (Mitte links) umarmt.
Der Angeklagte (Mitte rechts) steht im Gerichtssaal vor seinen beiden Anwälten und wird von seinem Bruder (Mitte links) umarmt.  © Peter Kneffel/dpa

Im Prozess um den Tod einer Frau nach einem Sturz hat ihr angeklagter Partner die Aussage verweigert. Der 50-Jährige steht seit Dienstag vor dem Landgericht München II, weil er die gestürzte Frau im Juli vergangenen Jahres liegenlassen und fünf Tage lang ihr Sterben abgewartet haben soll.

Als schließlich die Polizei zu der Wohnung in Garmisch-Partenkirchen anrückte, ließ er laut Anklage die zwei gemeinsamen Söhne mit der Leiche zurück.

Vor dem Geschehen hatte das Paar der Anklage zufolge gestritten. Die betrunkene Frau stürzte demnach im Schlafzimmer. Der angeklagte US-Amerikaner wählte jedoch nicht den Notruf, sondern begann mit seiner Mutter und später seinem Bruder in den USA zu telefonieren. Beide forderten ihn auf, den Rettungsdienst zu verständigen.

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In den folgenden fünf Tagen kam es immer wieder zu Gesprächen. Der Bruder teilte dem Mann schließlich mit, die Polizei sei unterwegs. Nach der Verhaftung des Familienvaters nahm er die Kinder zu sich.

Mann schweigt nach Tod von hilfloser Freundin zu Anklage

Der Mann soll tatenlos dabei zugesehen haben, wie seine Ehefrau an einer Alkoholvergiftung starb und ist wegen versuchten Totschlags durch Unterlassen angeklagt.
Der Mann soll tatenlos dabei zugesehen haben, wie seine Ehefrau an einer Alkoholvergiftung starb und ist wegen versuchten Totschlags durch Unterlassen angeklagt.  © Peter Kneffel/dpa

Zum Verfahrensauftakt machte der Angeklagte allerdings umfangreiche Angaben zu seiner Person. Demnach leidet er an einer bipolaren Störung. Sein Bruder schilderte im Zeugenstand, dass die Krankheit ihn immer wieder in schwere Krisen gestürzt habe.

Sowohl er als auch seine Frau waren alkoholkrank. Durch Alkohol, erzählte der Angeklagte, hätten sich die Ausprägungen seiner Krankheit verschlimmert. Derzeit ist er in einer psychiatrischen Klinik untergebracht.

Die Anklage lautet trotz des Todes der Frau nicht auf vollendeten, sondern auf versuchten Totschlag durch Unterlassen. Die Staatsanwaltschaft schließt einer Sprecherin zufolge nicht aus, dass das Opfer bereits kurz nach dem Sturz verstarb und Rettungsversuche ohne Erfolg geblieben wären. Durch seine Untätigkeit habe der Partner dennoch bewusst ihren Tod in Kauf genommen. Damit habe er sich strafbar gemacht.

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Der Verteidiger des Mannes sagte in einer Erklärung, die Anklage sei ein "cleverer juristischer Kunstgriff". Tatsächlich sei das Geschehen weitgehend unklar, die Schuld des 50-Jährigen mithin zweifelhaft. Der Angeklagte, der ebenfalls viel trank, hätte einen lebensbedrohlichen Zustand bei seiner Partnerin nicht bemerken können.

Titelfoto: Peter Kneffel/dpa

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