BMW rast in Menschenmenge und verletzt mehrere Menschen: Polizei korrigiert Angaben
Von Thomas Strünkelnberg, Leonard Fischer, Bastian Küsel-Kanbach
Neustadt am Rübenberge - Nach einem gezielten Angriff mit einem Auto auf eine kleine Menschengruppe bei Hannover ermittelt die Polizei wegen eines versuchten Tötungsdelikts. Ein Tatverdächtiger wurde vorläufig festgenommen. Zunächst war sogar von drei festgenommenen Personen die Rede gewesen.
Wie die Polizei am Mittwoch mitteilte, habe es sich dabei um einen "internen Übermittlungsfehler" gehandelt. Demnach sei nur ein Verdächtiger festgenommen worden, im Fall der anderen beiden Personen sei lediglich eine "allgemeine Personenkontrolle" durchgeführt worden.
Der Tatvorwurf gegen den Festgenommenen, der den Wagen gefahren haben soll, lautet unter anderem auf versuchten Totschlag in fünf Fällen. Mindestens fünf Menschen waren bei dem Angriff leicht bis schwer verletzt worden. Polizisten schossen auf den Wagen, um die Tat zu stoppen.
Die Ermittler gehen nach bisherigem Stand davon aus, dass sich die Beteiligten kannten. Nach Polizeiangaben gehören sie Großfamilien an, die in Teilen bereits im Zusammenhang mit Clankriminalität aufgefallen sind. Ob der Angriff damit zusammenhängt, blieb zunächst offen.
Auch das genaue Motiv war zunächst unklar. Für die Bevölkerung bestand nach dem bisherigen Kenntnisstand der Polizei keine Gefahr. Hinweise auf einen Anschlag gab es nach Angaben einer Polizeisprecherin nicht.
Tatverdächtiger steuerte gezielt in die Gruppe
Der Angriff ereignete sich den Angaben zufolge am späten Montagabend gegen 23.30 Uhr. Ein Tatverdächtiger steuerte demnach einen Wagen gezielt in die Gruppe, die sich zu diesem Zeitpunkt auf der Straße aufhielt. Die Verletzten wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht. Nach Angaben der Polizeisprecherin waren sie nicht in Lebensgefahr.
Der Tatort liegt im Bereich des Schützenplatzes, östlich des Ortskerns von Neustadt am Rübenberge. Nach ersten Erkenntnissen hätten sich der oder die mutmaßlichen Täter die kleine Gruppe wohl gezielt ausgesucht und seien nicht wahllos vorgegangen, sagte eine Polizeisprecherin.
Polizeikräfte waren zufällig in der Nähe, weil sie eine allgemeine Verkehrskontrolle durchführten. Sie wurden auf den Angriff aufmerksam und gaben Schüsse auf das Auto ab. Damit hätten sie die noch andauernde Tat unterbinden wollen, teilte die Polizei mit. Der Fahrer ließ das Auto am Tatort zurück und flüchtete.
Ob beim Angriff weitere Menschen in dem Wagen saßen, werde derzeit noch ermittelt. Die Polizei sprach in ihrer Mitteilung von mehreren Tatverdächtigen, die vom Tatort flüchteten. Wie viele Menschen insgesamt an dem Geschehen beteiligt waren und welche Rolle sie jeweils spielten, war zunächst nicht geklärt.
Polizei leitet Verfahren wegen versuchten Tötungsdeliktes ein
Die unmittelbar nach der Tat eingeleitete Fahndung blieb zunächst erfolglos. Zahlreiche Einsatzkräfte und ein Polizeihubschrauber suchten nach den Flüchtigen.
Ein dpa-Reporter berichtete von einem Großeinsatz auch für Feuerwehr und Rettungsdienst. Zahlreiche, teils schwer bewaffnete Polizeikräfte waren vor Ort. Mehrere beschädigte Autos waren zu sehen, darunter Fahrzeuge mit platten Reifen, einer zerstörten Heckscheibe und Einschusslöchern. Der Tatort wurde abgesperrt, um Spuren zu sichern.
Der Kriminaldauerdienst Hannover übernahm die Ermittlungen. Dazu gehört nach Polizeiangaben eine spezialisierte Tatortaufnahme. Das Verfahren wegen eines versuchten Tötungsdelikts wurde nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft Hannover eingeleitet.
Die Ermittlungen zum Ablauf und zu den Hintergründen dauerten an. Zeugen werden gebeten, sich beim Kriminaldauerdienst zu melden.
Erstmeldung: 27. Oktober, 6.19 Uhr, zuletzt aktualisiert: 28. Oktober, 17.45 Uhr.
Titelfoto: Moritz Frankenberg/dpa

