Stromnetz-Saboteur gefasst: Video zeigt Festnahme, Notizen mit weiteren Zielen aufgetaucht!
Von Marc Herwig, Frank Christiansen, Jonas Reihl
Weisweiler - Es war nur etwas niedergetretenes Gras an einem Feldweg. Aber das war für zwei junge Polizisten die entscheidende Spur, die am Dienstag zur Festnahme des 48-jährigen mutmaßlichen Energie-Attentäters geführt hat, nach dem europaweit gesucht worden war.
Obwohl sie gar nicht an der groß angelegten Fahndung beteiligt waren, haben die beiden Autobahnpolizisten das Versteck des Tatverdächtigen gefunden und ihn verhaftet. Einer der beiden Beamten hat sogar seine Bodycam eingeschaltet. Die Deutsche Presse-Agentur konnte die Aufnahmen anschauen.
Sie zeigen, wie die beiden jungen Beamten der Spur im Gras folgen und im Gebüsch rund 200 Meter neben dem Weg auf einen Mann stoßen. Ein Polizist zieht seine Pistole, fordert den Mann auf, sich auf den Boden zu legen.
Der leistet keinen Widerstand und folgt allen Anweisungen. Sofort habe er zugegeben, der Gesuchte zu sein, berichten die Beamten später. Dann klicken die Handschellen.
Tagelang hatten die Angriffe auf das Stromnetz in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen für Schlagzeilen in den Medien und einen Großeinsatz der Polizei gesorgt. In einem Gebüsch etwa 800 Meter neben dem Kraftwerk Weisweiler bei Aachen endet die Fahndung nun.
Notizbuch mit mehr als 160 weiteren Zielen gefunden
Im Wohnmobil des Mannes, das auf einem Parkplatz gefunden worden war, ist zudem ein Notizbuch mit handschriftlichen Vermerken zu mehr als 160 bisherigen und möglichen weiteren Sabotagezielen entdeckt worden, wie NRW-Innenminister Herbert Reul (74, CDU) am Donnerstag berichtet.
"Wir haben nicht nur den mutmaßlichen Täter der Anschläge gefasst, sondern damit womöglich immer weitere Anschläge verhindert", betonte der CDU-Mann.
Dem Haftrichter habe der 48-Jährige zudem sieben weitere Orte genannt, die er als Lager genutzt habe, sagte Reul. An drei dieser Orte sei die Polizei bereits fündig geworden. Sie überprüfe diese Hinweise. Der Verdächtige führe die Beamten derzeit in einem Streifenwagen zu den verschiedenen Orten.
Mehr als 1700 Polizisten aus Nordrhein-Westfalen seien demnach an dem Einsatz - den Ermittlungen und der Suche nach dem 48-Jährigen - beteiligt gewesen.
Erstmeldung: 10. September, 7.47 Uhr; zuletzt aktualisiert: 10. September, 14.11 Uhr.
Titelfoto: Bildmontage: Polizei Nordrhein-Westfalen/dpa, Polizei Brandenburg

