Neonazi-Parole und Hitlergruß auch beim Schlagermove in Hamburg

Hamburg - Auch am Rande des Schlagermoves in Hamburg kam es zu einem rassistischen Vorfall.

Hunderttausende feierten am Samstag in Hamburg zu Schlagermusik.
Hunderttausende feierten am Samstag in Hamburg zu Schlagermusik.  © Georg Wendt/dpa

Um die 400.000 Menschen feierten am Samstagnachmittag. Die meisten Schlagerfans waren bunt und schrill bekleidet, friedlich zog der Schlagermove mit fast 50 Trucks durch den Stadtteil St. Pauli.

Hässliche Szenen gab es dennoch. Gegen 17.38 Uhr spielte ein DJ auf einem Truck, der sich auf dem Ring 2 in Höhe Lange Straße befand, "L'amour toujours" von Gigi D'Agostino (56), berichtet ein Augenzeuge gegenüber TAG24.

Um die 50 Personen begannen zum 90er-Lied sofort lauthals "Deutschland den Deutschen, Ausländer raus!" zu grölen. Dazu sollen acht junge Männer den rechten Arm zum verbotenen Hitlergruß gehoben haben.

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Pikant daran: Nur wenige Stunden vor dem rassistischen Vorfall wurde der Nazi-Eklat im Pony Club Kampen auf Sylt bundesweit bekannt. Auch dort deutete ein Mann den Hitlergruß und sogar einen Hitlerbart an. Seitdem häufen sich ähnliche Vorfälle.

Die Hamburger Polizei bestätigt, dass es im Fall des Schlagermoves eine Anzeige wegen ausländerfeindlichen Parolen gibt. Der Staatsschutz ermittelt und sucht nach Zeugen des Vorfalls.

Hinweise nimmt die Polizei am Hinweistelefon unter der Rufnummer 040/4286-56789 oder an einer Polizeidienststelle entgegen. Zudem bitten die Ermittler, mögliche Video- oder Audioaufnahmen an das E-Mail-Postfach des Landeskriminalamts Staatsschutz@polizei.hamburg.de zu senden.

Veranstalter reagiert auf rassistischen Schlagermove-Vorfall

Unter den Feiernden waren auch zahlreiche Promis wie Micaela Schäfer (40).
Unter den Feiernden waren auch zahlreiche Promis wie Micaela Schäfer (40).  © Georg Wendt/dpa

Inzwischen bestätigte auch der Veranstalter des Schlagermoves, dass dort das eigentlich nicht zum Genre Schlager passende Eurodance-Stück "L'amour toujours" gespielt wurde.

Ein Mitarbeiter habe die DJ-Playlist geprüft und festgestellt, dass das Lied in der Originalversion nur für 28 Sekunden angespielt worden sei – also genau der Refrain, der seit mehreren Monaten zu rassistischem Mitgrölen missbraucht wird.

"Mit dem Verhalten auf dem verursachenden Truck wurden die Grundwerte des Schlagermove, der für Offenheit und Toleranz steht, mit Füßen getreten", heißt es in der Stellungnahme. Der Veranstalter will sich rechtliche Schritte vorbehalten.

Titelfoto: Georg Wendt/dpa

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