Von Frank Christiansen
Düsseldorf - Die Zahl unerledigter Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaften in Nordrhein-Westfalen hat einen Höchststand der vergangenen Jahre erreicht.
Zur Jahresmitte wurde die Schwelle von 300.000 mit 300.100 unerledigten Verfahren überschritten, wie eine Recherche der Deutschen Richterzeitung bei den Landesjustizverwaltungen ergab.
Ein Jahr zuvor waren es noch 266.900 offene Verfahren. Das entspricht einem Anstieg um 12,4 Prozent.
Dieser Anstieg - trotz aller Bemühungen, den Berg abzubauen - dürfte zu einem erheblichen Teil auf die Flut neuer Verfahren zurückzuführen sein.
In der ersten Hälfte dieses Jahres kamen 681.600 neue Verfahren hinzu. In den ersten sechs Monaten des Vorjahres waren es 645.300 neue Verfahren. Das entspricht einem Plus von 5,6 Prozent.
Bundesweit meldeten die Strafverfolger zur Jahresmitte 2026 erstmals mehr als 1,1 Millionen offene Fälle.
"Die Rekordeingangszahlen und die immer höheren Aktenbestände der Staatsanwaltschaften müssen Anlass für die Landesregierungen sein, jetzt konsequent gegenzusteuern", so Sven Rebehn, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Richterbundes (DRB).
"Den Strafverfolgern steht die Verfahrensflut bis zum Hals." Der Eindruck einer "Strafverfolgung nach Kassenlage" dürfe sich nicht verfestigen.