Seit sechs Jahren verschwunden: Vater glaubt nicht an Unfall von Scarlett

Von Magdalena Henkel

Todtmoos/Bad Lippspringe - Vor rund sechs Jahren brach Scarlett Salice zur letzten Etappe auf ihrer Wandertour durch den Südschwarzwald auf – und kam nie an ihrem Ziel an.

Die junge Frau war eine erfahrene Wanderin. Ist sie verunglückt oder steckt ein Verbrechen dahinter?  © Philipp von Ditfurth/dpa

Am 10. September 2020 wurde die damals 26-Jährige das letzte Mal nachweislich gesehen, auf den Überwachungsaufnahmen eines Supermarkts in Todtmoos (Landkreis Waldshut). Seitdem fehlt von der jungen Frau aus dem ostwestfälischen Bad Lippspringe jede Spur.

Ihr Vater Ralf Salice sucht immer noch nach seiner Tochter. Am kommenden Wochenende wird er erneut von Paderborn nach Todtmoos fahren – nach eigener Aussage zum vierten Mal in diesem Jahr.

Mehrere Menschen werden ihn begleiten: Freiwillige, die sich kurz nach dem Verschwinden von Scarlett in einer Suchgruppe zusammengefunden haben. "Die haben auch alle Familie und Jobs", sagte er. "Und die nehmen sich trotzdem diese Zeit." Das könne Salice ihnen nie genug danken. Die Facebook-Gruppe "Bitte findet Scarlett" zählt mittlerweile fast 4700 Mitglieder.

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Die Freiwilligen, die Salice begleiten, kannte er vorher nicht. Zum Teil seien es Menschen, die während der Corona-Pandemie Zeit hatten und diese nutzten, um sich an der Suche zu beteiligen, sagte er. Aus dieser Gruppe entstand ein harter Kern, der bis heute dabei ist. Sie haben eine Website zur Suche nach Scarlett eingerichtet, pflegen die Facebook-Gruppe, koordinieren Hinweise und organisieren Suchaktionen.

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Todesermittlungsverfahren nach zweieinhalb Jahren eingestellt

Eine Belohnung von 100.000 Euro wurde ausgeschrieben.  © Philipp von Ditfurth/dpa

Zu diesen Suchaktionen kommt es immer wieder, selbst wenn Salice nicht dabei ist. Unter anderem mit Metalldetektoren, Drohnen und Kletterausrüstung suchen sie in teils schwer zugänglichen Bereichen des Schluchtensteigs, zu dem Scarlett für die letzte Etappe ihrer Tour aufgebrochen war.

Ihrem Vater zufolge war es die erste Wanderung mit Zelt, die seine Tochter alleine unternommen hat. Als sie nicht wie verabredet bei einer Freundin ankam, meldete ihre Familie sie als vermisst.

Die Suche damals war umfangreich: Polizei, Bergwacht, Feuerwehr, Hundestaffeln, Hubschrauber, Drohnen.

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Auch in der ZDF-Fernsehsendung "Aktenzeichen XY... Vermisst" war ihr Verschwinden Thema. Das Todesermittlungsverfahren wurde schließlich zweieinhalb Jahre nach Scarletts Verschwinden eingestellt – weil es keinen Hinweis auf eine Straftat gab, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Freiburg erklärte. Es könne weiterhin nicht ausgeschlossen werden, dass die junge Frau in dem steilen, unwegsamen und mit Schluchten durchzogenen Waldgebiet verunglückt ist.

Der Vermisstenfall selbst jedoch sei weiterhin offen. "Der entscheidende Durchbruch fehlt bislang", so der Sprecher. Monatlich gehen demnach immer noch im Schnitt drei bis vier neue Hinweise ein, die auch weiterhin bewertet werden – insgesamt seien es mittlerweile 641 Hinweise.

Vater glaubt nicht an Unfall

Der Vater Ralf Salice tut alles, um seine Tochter zu finden.  © Philipp von Ditfurth/dpa

Ralf Salice hingegen glaubt nicht an einen Unfall. "Sie hatte eine kurze Hose an – sie wäre nicht in Bereiche gegangen, wo Dornen oder Zecken sind", sagte er.

Scarlett sei fünf von sechs Etappen planmäßig gelaufen, die letzte sei nicht die herausforderndste gewesen. "Warum sollte sie so abseits gehen?" Wenn sie dort verunglückt wäre, müsste irgendwo etwas von ihr zu finden sein an Ausrüstung oder Kleidung. "Da ist einfach nichts", so Salice. "Solange sie nicht gefunden wurde, kann sie noch leben."

Scarlett Salice war ihrem Vater zufolge kein unerfahrener Mensch in der Natur. Kurz vor der Schwarzwald-Tour habe sie gemeinsam mit ihrer Mutter den Jakobsweg abgeschlossen – fast 800 Kilometer in sechs Wochen. Sie sei außerdem zuvor mit dem Rucksack in Asien unterwegs gewesen.

Die Wanderung durch den Südschwarzwald war laut Salice eine spontane Idee seiner Tochter gewesen.

"Man ist nie mit den Gedanken ganz weg von Scarlett", so Salice. "Das geht gar nicht." Manchmal sehe er auf der Straße jemanden, der ihr ein bisschen ähnelt. Dann sei sie wieder da - die Frage, die keine Antwort hat. "Wenn ich für jeden Gedanken an meine Tochter einen Euro hätte, wäre ich in der Liste der reichsten Leute."

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