Islamismus-Experte kritisiert Kölner Muezzinruf als "verheerend"

Köln - Der Berliner Islamismus-Experte Ahmad Mansour (46) befürchtet "fatale Folgen" durch den in Köln geplanten Muezzinruf.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (68) hatte die Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld im Jahr 2018 persönlich eröffnet.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (68) hatte die Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld im Jahr 2018 persönlich eröffnet.  © Christoph Driessen/dpa

"Das ist eine Machtdemonstration des politischen Islam", sagte Mansour der Deutschen Presse-Agentur. Die Türkisch-Islamische Union Ditib darf möglicherweise an diesem Freitag erstmals per Muezzin zum Gebet in die Zentralmoschee rufen.

Mansour, der in Israel in einer arabisch-palästinensischen Familie aufwuchs, ist Psychologe und Autor des Buches "Operation Allah - Wie der politische Islam unsere Demokratie unterwandern will".

Er erinnerte daran, dass die Ditib der verlängerte Arm der türkischen Religionsbehörde in Ankara sei und Präsident Recep Tayyip Erdogan (68) die Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld persönlich eröffnet habe.

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"Es ist verheerend, wenn ausgerechnet dieser Organisation jetzt eine derartige öffentliche Anerkennung zuteil wird." Die Kölner Initiative werde nicht nur bundesweit, sondern in der ganzen Welt wahrgenommen.

Köln hat angekündigt, dass Moscheegemeinden auf Antrag und unter Auflagen ihre Gläubigen zum Gebet rufen dürfen.

Stadt Köln verweist auf Freiheit der Religionsausübung

Der Berliner Islamismus-Experte Ahmad Mansour (46) befürchtet "fatale Folgen" durch den geplanten Muezzinruf.
Der Berliner Islamismus-Experte Ahmad Mansour (46) befürchtet "fatale Folgen" durch den geplanten Muezzinruf.  © Jörg Carstensen/dpa

Die Stadt verweist dabei auf die im Grundgesetz verbriefte Freiheit der Religionsausübung. Während in Kirchen die Glocken läuteten, um die Gläubigen zum Gottesdienst zu rufen, seien es in den Moscheen die Rufe des Muezzins.

"Das sehe ich anders", sagte Mansour dazu. "Beim Glockengeläut geht es um Klang, beim Muezzinruf geht es um konkrete religiöse Botschaften." Der Muezzin rufe, dass es keinen anderen Gott als Allah gebe und dass Mohammed sein Gesandter sei. "Das ist also ein deutlicher Unterschied zu einfachem Läuten."

Man übersehe auch leicht, dass viele junge Muslime in Deutschland es gerade zu schätzen wüssten, dass die Religion im öffentlichen Raum nicht so sichtbar sei wie in den islamischen Herkunftsländern ihrer Familien.

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"Sie finden das entspannend, sie finden das gut", sagte Mansour. "Wenn sie pünktlich zum Gebet erscheinen wollen, dann stellen sie einfach ihre Handys ein."

Anwohner in Ehrenfeld müssen mit Flyer informiert werden

Der Muezzin könnte möglicherweise ab Freitag (14. Oktober) über Lautsprecher zum Gebet rufen.
Der Muezzin könnte möglicherweise ab Freitag (14. Oktober) über Lautsprecher zum Gebet rufen.  © Rolf Vennenbernd/dpa

Mansour kritisiert insbesondere, dass die Entscheidung von der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (65, parteilos) einfach verkündet worden sei, ohne dass vorher eine Diskussion stattgefunden habe.

Dabei gehe es hier doch um sehr grundsätzliche Fragen: "Welche Stellung hat der Islam in unserer Gesellschaft? Ist er wirklich gleichberechtigt? Wenn das so ist, dann müssten Muslime auch staatliche Feiertage einfordern können und vieles andere mehr.

Und eben das wird jetzt geschehen: Die Konservativen fühlen sich bestätigt, sehen dies als einen wichtigen Schritt hin zur Islamisierung Europas und werden immer mehr fordern." Für Glaubensfreiheit sei natürlich jeder. "Aber den Muezzinruf einfach nur in diesen Kontext zu stellen, ist sträflich naiv."

An der Ditib-Zentralmoschee könnte der Muezzin möglicherweise ab Freitag (14. Oktober) über Lautsprecher zum Gebet rufen. Die Stadt Köln steht nach eigenen Angaben kurz vor einem entsprechenden Vertragsabschluss mit der Ditib.

Falls es dazu kommt, dürfte der Muezzin einmalig zwischen 12 und 15 Uhr für eine maximale Dauer von fünf Minuten zum Freitagsgebet rufen. Da es sich um ein Pilotprojekt handele, sei der Vertrag auf zwei Jahre befristet, so die Stadt. Die Ditib müsse außerdem mit einem Flyer die Anwohner informieren und eine Ansprechperson benennen.

Titelfoto: Christoph Driessen/dpa

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