Leipziger OB-Kandidat will Straßenbau umkrempeln: "Autofahrer werden an die Wand gedrückt"
Von Andreas Tappert
Leipzig - Eric Recke (39) gilt als politisches Ausnahmetalent: Im Dezember 2023 kam er zum Leipziger Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW), im Februar 2024 gründete er den sächsischen BSW-Landesverband mit und inzwischen ist er BSW-Landtagsabgeordneter. Jetzt will er Leipzigs neuer Oberbürgermeister werden.
Die Stärke des gebürtigen Schweriners ist das Strippenziehen hinter den Kulissen. Er kann Gesprächspartner mit Argumenten überzeugen, Allianzen schmieden und brillante Strategien entwerfen. Im Netzwerken sei der unscheinbar daherkommende Recke unübertroffen, heißt es. Der studierte Sozialpädagoge und Kommunikationswissenschaftler könne mit Menschen umgehen.
Recke, der lange in Hamburg gelebt hat und sich dort bei den Linken in der Hochschulpolitik einen Namen gemacht hat, betont, dass er sich als Ur-Leipziger empfindet, weil seine Großeltern und seine Eltern in der Stadt gelebt haben. "Ich habe hier meine Wurzeln und werde für immer hierbleiben", sagt er.
In Leipzig ist er auch schon seit zwei Jahren Stadtrat und hat die Stadtpolitik unter die Lupe genommen. "Die Konzepte für Leipzigs Energiepolitik sind Luftschlösser", lautet sein Fazit. "Leipzig will Hunderte Millionen Euro investieren, die es nicht gibt. Und die Wasserstoff-Pläne werden niemals umgesetzt. Was Grüne, Linke und SPD wollen, ist totaler Irrsinn."
Als OB will er deshalb dafür werben, den 2019 gefassten Ratsbeschluss zum Klimanotstand rückgängig zu machen, unter anderem, weil der den Ausstieg aus den Abwärme-Lieferungen des Kraftwerks Lippendorf vorsieht. "Die Strategie der Grünen, Lippendorf auszubluten, ist falsch", glaubt Recke, der auch schon Mitglied im Aufsichtsrat der Leipziger Stadtwerke war. "Wir müssen die Wärme so lange nutzen, wie sie marktfähig ist, und dann auf neue innovative Energien setzen."
OB-Kandidat Eric Recke: "Mit mir wird es wieder Straßenbau geben - dort, wo Autos durchkommen müssen"
In Leipzigs Verkehrspolitik sieht er eine Fortsetzung dieser "Klimahysterie". "Die Autofahrer werden in Leipzig aus ideologischen Gründen buchstäblich an die Wand gedrückt", sagt er mit Blick auf die gescheiterte Fahrspurreduzierung in der Prager Straße. "Mit mir wird es wieder Straßenbau geben - dort, wo Autos durchkommen müssen. Die Leute müssen sicher ans Ziel kommen."
Die Finanzen der Stadt will er mithilfe ausländischer Investoren sanieren und den Bund zwingen, seine unbezahlten Rechnungen für übergestülpte Pflichtaufgaben mit einem Schuldenschnitt zu begleichen. "Ich werde jeden Bürgermeister in ganz Deutschland dafür gewinnen", kündigt er an.
Mit ausländischem Geld könne Leipzig ein wirtschaftlicher Sprung gelingen, wenn im Nordraum ausreichend Energie bereitgestellt wird, zum Beispiel für neue Rechenzentren. "Dafür müssen wir unsere Energieversorgung richtig ankurbeln."
Und in Dresden mache ein taiwanesischer Großinvestor vor, was ausländisches Kapital bewirken kann. "Unsere Bio-City ist noch klein und zu wenig skalierbar", glaubt Recke. Auch Leipzigs Gründerszene sei voller toller Biotope. "Aber es gibt zu wenig Investitionskapital und im Ausland liegt es rum."
BSW-Kandidat Recke: "Rot, Rot, Grün haben die Wohnungsmisere in Leipzig allein zu verantworten"
Leipzigs Wohnungsprobleme hält der BSW-Mann für hausgemacht. "Rot, Rot, Grün haben die Wohnungsmisere in Leipzig allein zu verantworten", sagt er. "Zusammen mit dem Bau-Bürgermeister und dem OB."
Die "Wünsch-Dir-Was-Zettel", mit denen die Stadt Investoren immer höhere Auflagen macht, seien für Investoren unbezahlbar. "Die Stadtpolitik hat die Quote für den Sozialwohnungsbau auf bis zu 50 Prozent heraufgesetzt und damit den Sozialwohnungsbau in Leipzig gelähmt", ärgert sich Recke. "Es gibt sehr viele Bauprojekte, die nicht entstehen, weil es sich nicht lohnt."
Durch die Auflagen der Stadt kämen so hohe Mieten zustande, dass man die Wohnungen nicht vermieten könne. Das Rathaus agiere "realitätsfremd", seine Bebauungspläne müssten "beschleunigt" werden. Und auch "das Hetzen" im Stadtrat gegen Vermieter und Investoren sei "Klimavergiftung" und "unterste Schublade". "Das muss sofort aufhören. Dafür muss der OB sorgen."
Die Mietpreisbremse findet er ineffektiv, da sie "den gesamten Wohnungsmarkt zerstört und blockiert", weil Mieter nachvollziehbarerweise lieber in ihren zu großen, aber preiswerten Wohnungen blieben. Und Vermieter würden lieber eigennutzen oder ihre Immobilien an große Gesellschaften verkaufen, was die Zahl der preiswerten Wohnungen weiter verringere.
Deshalb müssten Privatinvestoren für den Wohnungsbau "zurückgewonnen" werden. Auch weil die stadteigene Wohnungsgesellschaft dafür nicht genug Kapazitäten habe.
Eric Recke: "Das ist für Leipzig eine der größten Demütigungen der Bundesregierung"
Die Ansage des Bundes, die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig nicht mehr zu erweitern, ist für den BSW-Mann "eine der größten Demütigungen der Bundesregierung" für Leipzig.
"Dem müssen wir einen Riegel vorschieben", sagt er. "Leipzig ist ihr Gründungsstandort." Auch die von den Kölnern mit viel Geld abgeworbene Spiele-Messe Games Convention will er wieder zurückholen.
Titelfoto: Bildmontage: Silvio Bürger; EHL Media

