Leipziger Buchmesse-Chef Zille im Interview: 60 Prozent des Vorkrisen-Niveaus "wäre ein Erfolg"

Leipzig - Die Leipziger Buchmesse steht nach drei Jahren Zwangspause vor einem Neustart. Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur erklärt Direktor Oliver Zille (63), wie sich die Messe teilweise neu erfindet, sich im Kern aber trotzdem treu bleiben will.

Vom 27. bis 30. April 2023 soll sich die Buchbranche wieder in Leipzig treffen. Direktor Oliver Zille (63) erzählte, worauf man sich freuen kann.
Vom 27. bis 30. April 2023 soll sich die Buchbranche wieder in Leipzig treffen. Direktor Oliver Zille (63) erzählte, worauf man sich freuen kann.  © Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

Frage: Was wird den Besucherinnen und Besuchern nach drei Jahren Pause als neu auffallen auf der Leipziger Buchmesse?

Oliver Zille: "Natürlich haben wir uns nach drei Jahren Zwangsabstinenz überlegt, mit welchen Neuheiten und Experimenten wir die Messe anreichern können. Die Messe wird aber zusammen mit den Kunden entwickelt und deren Bedürfnisse dürfen wir nie aus den Augen verlieren."

Frage: Was sind die wichtigsten neuen Vorhaben?

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Oliver Zille: "Wir haben fünf große neue Projekte. Für die Präsentation von Autorinnen und Autoren wird es eine #buchbar geben. Das ist ein Café, in dem moderierte Diskussionsrunden mit dem Publikum veranstaltet werden - nicht frontal, sondern eben wie in einer Bar im Gespräch. Von dem Format verspreche ich mir sehr viel.

Dazu gibt es 'Buchmesse ON AIR' - ein Stream, in dem man im Netz und auf Bildschirmen auf dem Leipziger Markt sehen kann, was auf der Messe los ist.

Im März startet zudem unsere Tour durch zwölf Buchhandlungen in Deutschland als starke Werbung für den stationären Buchhandel. Außerdem gibt es einen neuen Jugendcampus und erstmals das Forum Offene Gesellschaft."

Buchmesse 2023 will Altes und Neues in Einklang bringen

Die Buchmesse will sich 2023 an zahlreichen Neuerungen versuchen, aber gleichzeitig dem gewohnten Konzept treu bleiben.
Die Buchmesse will sich 2023 an zahlreichen Neuerungen versuchen, aber gleichzeitig dem gewohnten Konzept treu bleiben.  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Frage: Voriges Jahr hat der Rückzug der großen Verlagsgruppen zur Absage der Messe geführt. Werden in diesem Jahr alle wieder mit dabei sein?

Oliver Zille: "Das waren damals spezifische Bedingungen der Corona-Pandemie. Die großen Verlage werden dabei sein. Wir haben aktuell 90 Prozent der Messestände vertraglich gebunden. Das ist nach drei Jahren Pause ein sehr gutes Ergebnis.

Bei der Gesamtausstellerzahl, dazu gehören auch Verlage, die sich Stände teilen, sind wir derzeit bei etwa 75 Prozent des Niveaus von 2019. Der Wille der Aussteller und die Begeisterung sind sehr groß. Das gibt uns viel Rückenwind."

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Frage: Mit wie viel Besucherinnen und Besuchern wären Sie in diesem Jahr zufrieden?

Oliver Zille: "130.000 auf dem Messegelände wären eine gute Zahl. 2019 hatten wir 215.000. Wir gehen generell davon aus, dass eine Messe, die drei Jahre nicht stattfinden konnte, eine gewisse Zeit braucht, bis sie wieder ihre volle Betriebstemperatur erreicht. Wenn wir dieses Jahr 60 Prozent des Vorkrisenniveaus erreichen, wäre das ein Erfolg."

Oliver Zille: "'Leipzig liest' bleibt das Herz der Leipziger Buchmesse"

Frage: Das Lesefestival "Leipzig liest" war bis Corona ein einziger Superlativ mit Tausenden Mitwirkenden. Was ist diesmal zu erwarten?

Oliver Zille: "Es bleibt ein Superlativ. Es ist immer noch Europas größtes Lesefestival. Im Moment arbeiten wir an rund 2000 Veranstaltungen auf dem Messegelände und in der Stadt. Statt der früher 360 Leseorte sind wir jetzt bei ungefähr 200 Orten. Das ist immer noch eine sehr stolze Zahl. 'Leipzig liest' bleibt das Herz der Leipziger Buchmesse."

Frage: Können Sie schon ein paar Autorennamen nennen, auf die sich die Besucher freuen können?

Oliver Zille: "Nein, das ist noch zu früh. Es ist alles kurzfristiger geworden in der Organisation. Wir sind gerade mitten in dem Ausgestaltungsprozess, wer wie wo auftreten wird. Es wird ein sehr gutes Bücher-Frühjahr werden."

Titelfoto: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

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