"Lenes Tauscho" abgebrannt: Zündeten Feuerteufel das Nachbarschafts-Projekt an?

Leipzig - Knapp eineinhalb Jahre lang war der "Tauscho" ein Treffpunkt für die Nachbarschaft in Leipzig-Reudnitz und diente als Abgabeort für Ausgedientes und Schatzkiste für Neues. In der Nacht zum Dienstag ist die Tauschbude im Lene-Voigt-Park bis auf das Grundgerüst abgebrannt.

In der Nacht zum Dienstag fing der "Tauscho" im Süden des Lene-Voigt-Parks Flammen.
In der Nacht zum Dienstag fing der "Tauscho" im Süden des Lene-Voigt-Parks Flammen.  © Anna Gumbert

Gegen 4 Uhr am Dienstagmorgen hatten Anwohner die Flammen im Lene-Voigt-Park gemeldet, bei Tageslicht war das Ausmaß des Feuers dann gut sichtbar: Der Metallschrank mit den verschiedenen Fächern und Türen wurde bis auf wenige Metallstäbe zerstört, auch das Tauschgut im Inneren brannte nieder.

Während die Polizei die Ermittlungen aufgenommen hat, müssen sich die Organisatoren des "Tauschos" zunächst sammeln.

"Wir sind immer noch vollkommen schockiert und sprachlos, dass der Tauscho zerstört wurde. Wir müssen uns jetzt erstmal besprechen und sortieren. Wir wissen auch nicht, wie es weitergehen wird", so das Team auf der Instagram-Seite der Tauschbude.

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Spenden für einen möglichen Wiederaufbau können aktuell jedoch schon über PayPal gesammelt werden.

Ratlos standen den Tag über Anwohner vor der Brandruine, viele Nachbarn statteten der Tauschbude regelmäßig einen Besuch ab, um darin zu stöbern oder nicht mehr gebrauchte Klamotten, Bücher oder Krimskrams zu verstauen.

Tauschbude galt als wichtiger Treffpunkt in der Nachbarschaft

Auch die Tauschgüter im Inneren des Schrankes fielen den Flammen zum Opfer.
Auch die Tauschgüter im Inneren des Schrankes fielen den Flammen zum Opfer.  © Anna Gumbert

Auch Grünen-Stadtrat Jürgen Kasek (42) hat dem "Tauscho" einen traurigen Post auf Instagram gewidmet.

"Letzte Nacht ist dieser Traum einer besseren Welt mit weniger Müll in Flammen aufgegangen. Vermutlich aufgrund von Brandstiftung. Unglaublich bitter. Viele Menschen haben sich dafür in den letzten Jahren engagiert, noch viel mehr Menschen haben ihn genutzt. Unfassbar", schrieb der Politiker.

2021 hatte der Leipziger Aaron Krautheim den "Tauscho" über Crowdfunding ins Leben gerufen, um die bisherigen Tausch- oder "Give-Boxen" der Messestadt zu optimieren.

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Der Schrank war bei schlechtem Wetter verschließbar und in der Nacht ausgeleuchtet; die Initiative der Verschenkekiste e. V. hatte das Projekt mit betreut.

"Ich mag die soziale Komponente an solchen Tauschbuden. In einer Kneipe wird Bier getrunken, eine Kirche ist ein religiöser Ort, aber eine Tauschbude ist ein sehr neutraler Punkt zum Zusammenkommen und Austauschen", so Krautheim damals.

Auch ein "Tauscho" im Westen der Stadt ist mittlerweile im Gespräch.

Titelfoto: Anna Gumbert

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