Von Tamina Porada, Jan Kaefer
Leipzig/Trier - "Es kann nicht so weitergehen", sagte Simon (36) aus Trier. Ihn frustriert, dass einige wenige in Deutschland mehr Geld besitzen als die große Mehrheit der Menschen, dass diese "Superreichen" dadurch mehr Macht und Einfluss haben und der Staat nichts dagegen tut.
Bei Simon und seinem Kumpel Oliver (35) entstand ein Gefühl der Ohnmacht. Das wollten sie nicht einfach so hinnehmen. "Wir wollten unbedingt etwas tun", erklärte der 35-Jährige gegenüber TAG24.
"Zwei Familien im Land haben so viel Geld wie 40 Millionen Menschen. Das ist irre und überhaupt nicht hilfreich für die Demokratie", so Simon, der in Trier als Tanzlehrer arbeitet.
Die beiden Männer starteten das Projekt "Unfuck Germany". Von Trier aus wollen sie 695 Kilometer bis nach Berlin laufen, auf der Strecke in mehreren Städten Halt machen und dort mit den Menschen vor Ort sprechen, die sich womöglich auch ohnmächtig fühlen. Menschen, die gleich denken, sollen sich verbinden und gemeinsam den ersten Schritt machen.
Ihre Wanderung hat dabei auch einen symbolischen Charakter. Simon sagte: "Wir haben sicherlich viele Schritte zu gehen hin zu einem Steuersystem, was irgendwie fair ist für die Leute und wissen nicht, ob wir dieses Ziel erreichen, aber wir müssen einen Schritt machen".
Am Dienstagvormittag erreichten die beiden Leipzig, eine der letzten Stationen vor dem großen Finale in Berlin.
Das Ziel: Ein faires Steuersystem
Die Schritte hin zu einem fairen Steuersystem könnten für Tanzlehrer Simon und Student Oliver so aussehen: Sie wünschen sich, dass eine vernünftige Erbschaftssteuer und eine Vermögenssteuer eingeführt wird. Das Geld der Superreichen soll dem Gemeinwohl zugutekommen. Außerdem sollen Steuerschlupflöcher gestopft werden, damit das System insgesamt fairer wird.
Bisher haben sie viel Zustimmung für ihre Idee erhalten. Auch an der Leipziger Sachsenbrücke sprachen sie mit Menschen und erklärten ihr Anliegen.
"Es ist eine mentale Herausforderung. Wir wenden einen Monat unserer Zeit auf und wollen, dass es wirklich etwas bewirkt", stellte Simon gegenüber TAG24 klar.
Von Leipzig aus wandern die beiden zunächst nach Potsdam. Voraussichtlich am 3. September kommen sie dann in Berlin an. Die beiden laden dazu ein, sich ihrer Reise anzuschließen und ein bisschen mit ihnen zu laufen. Die genaue Route kann man über Social Media verfolgen.