Bahnmitarbeiter wollen Hoffnung und Perspektive für Ukrainer schaffen

Leipzig - Ob Unterstützung beim Lebenslauf, bei der Anerkennung von Zeugnissen oder auf der Suche nach einem neuen Job: Kamran Radzhput und Viktor Omelianenko - zwei Angestellte der Job-Welt der Deutschen Bahn am Leipziger Hauptbahnhof - helfen arbeitssuchenden Kriegsgeflüchteten aus der Ukraine wo sie nur können.

Die gebürtigen Ukrainer Kamran Radzhput (l.), Viktor Omelianenko und Inessa Orel haben Jobs bei der Deutschen Bahn in Leipzig gefunden.
Die gebürtigen Ukrainer Kamran Radzhput (l.), Viktor Omelianenko und Inessa Orel haben Jobs bei der Deutschen Bahn in Leipzig gefunden.  © Hendrik Schmidt/dpa

"Neben Ukrainerinnen und Ukrainern kommen aber auch Menschen verschiedenster anderer Nationalität von nah und fern zu uns", sagt der gebürtige Ukrainer Radzhput der Deutschen Presse-Agentur. Bereits Anfang 2020 kam der gelernte Deutschlehrer zum Studieren nach Deutschland. Sein Kollege Viktor ist bereits seit rund 30 Jahren hier. Ihr Beispiel soll Arbeitssuchende aus dem Ausland zum Einstieg in den Arbeitsmarkt ermutigen - am besten gleich bei der Deutschen Bahn.

Gesucht würden klassische Eisenbahnberufe, etwa Fahrdienstleiter oder Lokführer. "Von denen gibt es in der Ukraine einige", ergänzt Omelianenko. Ein Jahr nach Ausbruch des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine am 24. Februar 2022 - rund acht Monate nach der Eröffnung des Beratungscenters - haben Omelianenko und sein Kollege nun etwa 1900 Beratungen durchgeführt, etwa die Hälfte davon waren Ukrainerinnen und Ukrainer.

Das Ergebnis: "26 Anstellungen bei der Bahn allein in Südost". Erst kürzlich habe er einen Mann und dessen Frau beraten, die im mittlerweile zerstörten Stahlwerk in Mariupol gearbeitet haben, erzählt Omelianenko.

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Beide besuchten nun in Deutschland die Sprachschule, fingen demnächst als Lokführer und Fahrdienstleiterin bei der Bahn an.

In der Job-Welt wurden innerhalb des vergangenen Jahres etwa 1900 Beratungen durchgeführt.
In der Job-Welt wurden innerhalb des vergangenen Jahres etwa 1900 Beratungen durchgeführt.  © Hendrik Schmidt/dpa

"Wir wollen nicht nur Jobs, sondern Hoffnung geben"

Das Beratungszentrum in Leipzig soll neue Mitarbeiter für die Bahn anwerben.
Das Beratungszentrum in Leipzig soll neue Mitarbeiter für die Bahn anwerben.  © Hendrik Schmidt/dpa

Auch Inessa Orel kam über das Beratungszentrum in Leipzig zur Bahn. Die 34-Jährige wurde in Kiew geboren, war dort als Rechtsanwältin tätig bis sie gemeinsam mit ihren Kindern - ihrem zwölf Jahre alten Sohn und der vierjährigen Tochter - vor dem Krieg fliehen musste.

"Ich habe über eine Gruppe auf Telegram von den Ausbildungsmöglichkeiten der Bahn erfahren", erzählt sie. Ein Bahnhof sei für sie wie eine Sehenswürdigkeit, sie komme gerne an einen. "Auch deshalb möchte ich bei der Bahn anfangen. Zuerst in der Fahrdienstleitung, dann möchte ich mich weiterentwickeln", so ihre Erwartung.

Das Beratungszentrum in Leipzig war bundesweit das erste der Bahn. Im September vergangenen Jahres eröffnete ein weiteres am Hauptbahnhof in Frankfurt am Main. In Köln und Berlin sind mobile Teams unterwegs.

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"Als die Sonderzüge hier in Leipzig ankamen, bin ich immer zu den Gleisen gelaufen und habe die Menschen - es waren ja vor allem Frauen und Kinder - abgefangen und ihnen von unserem Angebot erzählt", sagt Omelianenko, der gelernter Elektrotechniker ist. Auch heute mache er das so, obwohl nach Ende des vergangenen Sommers sowie des Auslaufens des 9-Euro-Tickets deutlich weniger Menschen kämen.

Bei ihrer Arbeit sei der Krieg in ihrer Heimat immer ganz nah, so Radzhput: "Wir reden jeden Tag darüber, hören Geschichten, die viel zu traurig sind." In der Job-Welt haben beide einen Platz gefunden, an dem sie persönlich helfen können - die Konzentration auf ihre Arbeit helfe ihnen auch dabei, mit dem Krieg umzugehen. "Wir wollen nicht nur Jobs, sondern Hoffnung geben", sagte Omelianenko.

Titelfoto: Hendrik Schmidt/dpa

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