Leipzig/Querfurt - Einen Unfall im Urlaub haben und sich dabei schwer verletzen - für jeden ein absolutes Horror-Szenario. Der 70-jährigen, sehbeeinträchtigten Marlies ist genau das passiert, als sie mit ihrem Mann eine Radtour im Ausland machte. Da war guter Rat teuer und den fand die Rentnerin glücklicherweise in Leipzig.
Marlies Reinhardt aus Querfurt in Sachsen-Anhalt brach Ende August mit ihrem Mann und zwei Bekannten nach Lettland auf, berichtete das Leipziger Helios Park-Klinikum. Sie leidet seit 2007 unter einer Sehbeeinträchtigung, die beiden Begleiter sind ebenfalls seheingeschränkt.
Das hindert die 70-Jährige nicht daran, sportlich aktiv zu sein - im Gegenteil. Sie engagiert sich ehrenamtlich in Vereinen und Selbsthilfegruppen, ist außerdem stellvertretende Vorsitzende im Stiftungsausschuss für Blinde. In diesem Rahmen organisiert Marlies auch internationale Tandemtouren für seheingeschränkte Menschen.
Eine solche wurde ihr fast zum Verhängnis: Sie und ihr Mann stürzten in Lettland nach einer 62 Kilometer langen Tour vom Tandem. "Wir sind mit dem hinteren Pedal an einem Bordstein hängen geblieben und nach rechts umgekippt", erinnert sich die Rentnerin.
Weil sie sich den Oberschenkel gebrochen hatte, verbrachte sie einige Tage in einer lettischen Klinik. Das Problem: "Die Sprachbarriere in Lettland erschwerte den vertrauensvollen Austausch mit dem Ärzteteam, sodass eine OP dort für mich nicht infrage kam."
Doch die Suche nach einer Klinik in Deutschland, die sie operieren wollte, war nicht einfach. Viele lehnten ab, weil seit dem Sturz schon einige Tage vergangen waren.
Rettende Operation erst nach mehreren Tagen, aber mit Erfolg
Da kam die Empfehlung zum Leipziger Helios Park-Klinikum von Freunden gerade recht. Dessen Alterstraumazentrum übernahm zusammen mit dem ADAC den Rücktransport von Marlies und sie konnte am 1. September aufgenommen werden. Schon einen Tag später wurde die hüftgelenksnahe Fraktur bei der 70-Jährigen erfolgreich operiert.
Seitdem erholt sich Marlies zusehends, konnte schon nach einer Woche wieder laufen und übt fleißig das Treppensteigen mit den Physiotherapeuten. Und das, obwohl die Risiken nach der langen Liegezeit, in der sie nicht operiert werden konnte, hoch waren.
"Unter diesen Umständen sind wir sehr mit dem komplikationslosen Verlauf zufrieden und freuen uns, dass Frau Reinhardt bereits wieder so mobil ist", sagt Melanie Rauch, Oberärztin der Klinik für Akutgeriatrie und Frührehabilitation.
Und auch Marlies selbst ist froh, die Entscheidung so getroffen zu haben: "Sowohl die medizinische Behandlung als auch die Organisation einer persönlichen Assistenz aufgrund meiner Erblindung liefen einwandfrei. Hier hatte ich keine Angst und viel Vertrauen. Daher bin ich dem gesamten Team hier sehr dankbar."