Leipzig - Pünktlich zum internationalen Tag des Klopapiers haben die Wasserwerke am Mittwoch Besuchern einen seltenen Einblick in die verborgene Welt der Kanalisation ermöglicht. Dabei wurde klar: Was Leipzigs Bürger gedankenlos in die Keramik spülen, sorgt tief unter den Straßen für echte Probleme.
Knapp 3000 Kilometer lang ist das Kanalnetz unter Leipzig. Wie in vielen anderen Großstädten auch handelt es sich dabei um ein Mischwassersystem, in dem Regenwasser und Schmutzwasser aus Haushalten gemeinsam zur Kläranlage geleitet werden.
"Egal zu welcher Jahreszeit, dort unten herrschen fast immer um die 11 Grad Celsius", verrät ein Mitarbeiter der Wasserwerke, bevor es über eine Leiter durch den engen Gullischacht hinab geht.
Am Körper tragen die Arbeiter dabei immer ein mobiles Messgerät, das sie vor gefährlich hohen Konzentrationen bestimmter Gase, wie etwa Schwefelwasserstoff und Methan, oder zu wenig Sauerstoff im Schacht durch ein lautes Piepen warnt.
"Ins Klo gehört nur AA, Pipi und Toilettenpapier", erklärt der Fachbereichsleiter für den Kanalnetzbetrieb, Sven Lietzmann. Heruntergespült würden aber auch Feuchttücher, Verbandsmaterial, Damenstrumpfhosen, Medikamente und allerlei andere Dinge. "Wenn das in unsere Pumpen kommt, gibt es Havarien und wir müssen sie jedes Mal auseinanderbauen." Das geschehe etwa 300 Mal im Jahr.
Ratten wissen genau, wer Essensreste im Klo runterspült
Doch auch Essensreste werden vielfach über die Keramik im Badezimmer entsorgt: "Ratten können sehr genau lokalisieren, wo das geschieht" erklärt Lietzmann. "Die Ratte mag es warm, sie mag es trocken, sie mag es ruhig und sie mag es dort, wo viel Essen da ist."
Aber auch andere Lebewesen, wie etwa Füchse, Waschbären, Tauben und Katzen, verirren sich immer wieder in die dunklen Gänge. In der Regel fänden die Tiere aber selbst wieder den Weg hinaus.
Bei Starkregen kommt das Kanalsystem unter der Messestadt in manchen Bereichen jedoch an seine Kapazitätsgrenzen. Das stark verdünnte Abwasser wird dann zeitweise notgedrungen in umliegende Gewässer, wie etwa den Elstermühlgraben, abgeleitet.
Neben zu viel Wasser beschäftigten aber auch die immer häufiger auftretenden Dürrephasen die Mitarbeiter der Wasserwerke. Zu wenig Wasser im System sorge nämlich dafür, dass sich an vielen Stellen immer mehr Sediment auf dem Grund der Kanalisation ablagere, sagt Lietzmann. "Das steigert den Wartungsaufwand."