Grimma - Während es immer mehr junge Menschen in die Großstadt zieht, können sich Lucy Schmidt (21) und ihr Freund Jonas Müller (22) ein Leben abseits der Landwirtschaft nicht vorstellen. In einem 100-Einwohner-Dorf nahe Mutzschen bei Grimma (Landkreis Leipzig) bewirtschaftet das junge Paar gemeinsam knapp 400 Hektar Land – und führt damit die Tradition eines Familienbetriebs fort, den es seit zwei Jahrhunderten gibt. Eine neue ZDF-Doku hat sie begleitet.
Kennengelernt haben sich beide vor vier Jahren während ihrer Ausbildungszeit. Es passte auf Anhieb: Nach nur einem Jahr Beziehung zog Lucy auf den Hof von Jonas' Familie. Ihr gemeinsamer Alltag wird seither strikt von den Jahreszeiten, dem Wetter und den Bedürfnissen der Tiere bestimmt.
"Ich fahre für mein Leben gern Traktor", erzählt Landwirtin Lucy lachend. "Das war eigentlich auch schon immer mein Ziel, irgendwann mal so eine riesen Karre zu fahren."
Auf den Feldern wächst derweil der Weizen – für das Paar bedeutet das die arbeitsreichste Zeit des Jahres. Im Sommer sitzt Lucy teils von morgens um 8 Uhr bis tief in die Nacht im Führerhaus ihres Treckers. Um die Ernte zu sichern, müssen sie ihre Feldfrüchte ständig im Blick behalten und schnell auf Gefahren reagieren.
Beim Kontrollgang auf dem Feld entdeckt Jonas Müller dann besorgt eine helle Stelle an einem Weizenhalm: "Das Weiße hier, das ist der Mehltaupilz, es wird höchste Eisenbahn. Wenn wir das so lassen, haben wir 20 bis 35 Prozent Ertragseinbußen." Die Konsequenz: Das Paar entscheidet sich zügig für den Einsatz eines Pflanzenschutzmittels, um die Ernte zu retten.
Drei Generationen zusammen am Frühstückstisch
Seit Lucys Ankunft hat sich auf dem Hof einiges verändert. Auf ihren Wunsch hin entschloss sich die Familie, neben Hühnern nun auch Schafe, Kühe und Hasen zu halten – ganz so, wie Lucy es vom Hof ihrer eigenen Eltern kennt.
Ums Geldverdienen geht es ihr dabei nicht: "Die geben mir irgendwie so ein ruhiges Gefühl, deswegen mache ich das super gerne. Ich will nie damit aufhören, mit Tieren zu arbeiten." Auch wenn Jonas auf die Hasen wohl verzichten könnte, packt er mit an. Denn ohne gegenseitige Unterstützung funktioniert in einem Familienbetrieb nichts.
Wie eng der Zusammenhalt ist, zeigt sich jeden Morgen: Auf dem Hof wird zusammen gefrühstückt, drei Generationen sitzen an einem Tisch. "Das ist schön, wenn alle so zusammen sind", freut sich Jonas’ Mutter Katrin Müller. Auch Vater Jörg blickt optimistisch in die Zukunft: "Für mich ist das beruhigend, aber vor allem auch motivierend, da ich weiß: Ich kann was aufbauen und es ist nicht umsonst."
Einzig Oma Marianne hat noch einen unerfüllten Wunsch für den Speiseplan und fordert augenzwinkernd in die Runde: "Ich würde gerne wieder Tauben halten. Was meint ihr, wie gut die schmecken! Aber ihr habt jedes Mal eine andere Ausrede."
Die komplette Doku "Jung und glücklich auf dem Land" seht Ihr am heutigen Samstag um 17.35 Uhr im ZDF oder jederzeit auf Abruf in der Mediathek.