Von Britta Schultejans
München - "Bier, Boobs, Brezn": Auf dem Münchner Oktoberfest gibt es in diesem Jahr ein Event nur für queere Frauen. Rund 700 Frauen und Flinta-Personen (das steht für Frauen, Lesben, Inter, Nonbinär, Trans und Agender) wollen im Festzelt "Bräurosl" feiern - einen Tag nach dem traditionellen Gay Sunday, dem Rosa Sonntag, der traditionell von schwulen Männern dominiert ist.
Und das ist nach Ansicht von Veranstalterin Sina Scherer genau das Problem: "Wo sind eigentlich die lesbischen Frauen? ", möchte sie wissen.
"Es gibt seit Jahrzehnten etablierte queere Termine, aber lesbische Frauen spielen dabei als eigene Community bislang kaum eine sichtbare Rolle."
Sie nahm das Heft selbst in die Hand. Solche Events macht sie mit ihren "Lost Girls"-Events schon länger, auf der Wiesn ist es eine Premiere.
"Vielleicht ist die Wiesn gerade deshalb ein guter Ort, weil sie kein klassischer Queer Space ist", sagt Scherer im Interview der Deutschen Presse-Agentur.
"Die Wiesn gehört zur Münchner Stadtgesellschaft. Hier sitzen unterschiedlichste Generationen, Nationalitäten, Milieus und Lebensentwürfe nebeneinander auf der Bierbank. Und genau dort sollte queeres Leben selbstverständlich sichtbar sein - nicht nur im queeren Club oder beim CSD."
90 Prozent Männer am Rosa Sonntag
Und auch wenn nach dem Anschlag auf den Berliner CSD die Sorge dabei ist - die Lust, zu feiern ist es auch und das Vertrauen in die Sicherheitsvorkehrungen auf dem Mega-Volksfest groß.
Nach Angaben der "Bräurosl"-Wirte Franziska und Peter Reichert gibt es den Rosa Sonntag schon seit mehr als 40 Jahren.
90 Prozent der Gäste seien männlich. "Hier liegen sich über 6000 Männer in den Armen und feiern das Leben und die Liebe."
Aus Sicht von Berti Gammenthaler vom Forum Queeres Archiv in München liegen die Gründe für den Männerüberschuss auf queeren Partys (nicht nur auf der Wiesn) auf der Hand: "Weil Männer im Allgemeinen mehr Alkohol konsumieren. Das ist auch der Grund, warum viele Frauen- oder Lesbenkneipen der 90er und 2000er Jahre gescheitert sind. Die Damen hatten zu wenig konsumiert, so dass die Kneipen das von der Brauerei festgesetzte Abnahmesoll nicht erfüllen konnten", sagt sie.
Und: "Immer noch gibt es Unterschiede im Einkommen zwischen Männern und Frauen. Ein Wiesn-Tisch kostet Geld. Es freut mich, dass inzwischen auch lesbische Frauen sich das leisten können."