Flöhe als Artisten und Rolltreppen im Turbo-Modus: Kuriose Wiesn-Trivia
Von Sabine Dobel, Britta Schultejans
München - Oktoberfest. Der Ort des Bieres, der Sehnsüchte und der Überraschungen: Rolltreppen laufen schneller, das Klima ist wärmer - und Flöhe werden zu Artisten.
Hot. Aufgeheizt. Und fast tropisch. Auf der Wiesn kann es bis zu zehn Grad wärmer sein als sonst in der Stadt, und die Luftfeuchtigkeit kann ein Drittel höher liegen.
Das hat vor einigen Jahren der Bonner Meteorologe Karsten Brandt bei Messungen herausgefunden. Grund sind Lichter, Fahrgeschäfte, Hendl-Bratereien, Küchen - und vor allem: Menschen.
Die Feuchtigkeit liege "wie eine warme, feuchte Glocke" über dem Fest. Allerdings reicht es nicht für die Bildung von Nebel - oder Regenwolken. Dazu ist das Gelände zu klein.
Rund 80 Flöhe "arbeiten" auf der Wiesn in mehreren Schichten. Sie ziehen Kutschen, spielen Fußball und tanzen Flohballett.
Der Direktor des Flohzirkus, Robert Birk, "dressiert" sie mit Licht, Schall und Wärme: Vor der Schau bringt er die Tierchen mit Wärme in Bewegung und steuert sie dann bei grellem Licht mit Klopfen auf den Bühnenboden.
Kurios: Flohzirkus mit Nachwuchssorgen
In Abständen wechselt er die erschöpften Artisten aus und kühlt sie auf 18 Grad, damit sie zur Ruhe kommen.
Der Direktor füttert seine Lieblinge persönlich - etwa an seinem Unterarm. Es fehle allerdings ständig an Nachwuchs, sagt Birk. Die kräftigeren Hundeflöhe sind rar geworden - und Katzenflöhe sind schneller erschöpft.
"Wir kämpfen immer darum, dass wir genug Flöhe haben." Man könne die Tiere kaufen, aber das sei teuer.
200 Flöhe kosten laut Birk fast 1200 Euro. Sie sind eigentlich Versuchstiere für Insektenvernichtungsmittel.
Schnell zur Wiesn - dafür legt gelegentlich auch die Rolltreppe etwas Tempo zu: Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) lässt zum Oktoberfest die Bänder am U-Bahnhof Theresienwiese nach oben teils schneller laufen.
Rolltreppen in Deutschland fahren nach der Norm DIN 18024 mit 0,5 Metern pro Sekunde.
Oktoberfest seit 1980 ohne Abfalltonnen
Zur Wiesn-Stoßzeit beschleunigten sie teilweise auf 0,68 Meter pro Sekunde, um in Spitzenzeiten bis zu 12.500 Menschen pro Stunde Richtung Festgelände zu befördern.
Müllkorb? Fehlanzeige. Wiesn-Neulinge suchen vergeblich nach einer ordentlichen Möglichkeit, Pappteller und Würstchenreste loszuwerden.
Abfallkörbe wurden nach dem Oktoberfestattentat von 1980 abgeschafft. Denn die Bombe des rechtsradikalen Attentäters explodierte just in einem Müllkorb.
Wochen vor dem Oktoberfest zieht sich ein Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause mit seinem Trainer zurück, um den rechten Schlag zu üben: Anzapfen will gelernt sein.
Die magische Zahl der Schläge ist in München bei der live im TV übertragenen Wiesn-Eröffnung ein wichtiges Kriterium für das Ansehen eines Stadtoberhaupts.
Der frühere Rathauschef Christian Ude schaffte es 2005 als erster OB, den Zapfhahn mit nur zwei Schlägen ins Fass zu bringen, sein Nachfolger Dieter Reiter tat es ihm gleich - beide nahmen Unterricht.
Titelfoto: Montage: Achim Frank Schmidt/Paulaner/dpa + Felix Hörhager/dpa

