Von Cordula Dieckmann
München - Die Verlegerin Antje Kunstmann (†77) ist tot. Sie sei bereits am 16. September in München verstorben, teilte der von ihr gegründete Verlag Antje Kunstmann mit.
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) würdigte die 77-Jährige als prägende Persönlichkeit der deutschen Verlags- und Kulturlandschaft: "Ihr Wirken stand für die Überzeugung, dass Verlegen mehr ist als ein Geschäft: Es ist ein Beitrag zur Freiheit des Denkens und zur kulturellen Vielfalt unserer Gesellschaft".
Zu den Autoren ihres Verlages in München gehören unter anderem Axel Hacke, Tim Parks oder der Comic-Künstler Manfred Deix. Auch "Der NSU-Prozess. Das Protokoll" mit Mitschriften aus dem aufsehenerregenden Strafverfahren gegen Beate Zschäpe erschien dort. Die Palette reicht von Romanen über Gedichte und Essays bis hin zu Sach- und Kochbüchern und Werken für Kinder.
Für ihr Wirken erhielt sie unter anderem das Bundesverdienstkreuz am Bande im Jahr 2022 und zwei Jahre später den Deutschen Verlagspreis. "Ihr Engagement für Literatur, gesellschaftlichen Diskurs und die Unabhängigkeit des Verlagswesens wird in Erinnerung bleiben", so Weimer. "Über Jahrzehnte habe sie mit Mut, Unabhängigkeit und einem feinen Gespür für besondere Stimmen Bücher ermöglicht, die Debatten angestoßen und Horizonte erweitert haben."
Kunstmann wurde 1949 im unterfränkischen Bad Kissingen geboren. Nach dem Abitur 1968 studierte sie Erziehungswissenschaften - und wurde dort auch von der 68er-Bewegung beeinflusst. 1976 gründete sie laut Mitteilung den Weisman Verlag/Frauenbuchverlag, aus dem 1990 dann der Verlag Antje Kunstmann hervorging.