"Ich will nie mehr im Hochzeitskleid heiraten": Betrogene Braut spricht Klartext

Bestellung und Lieferung weichen an vielen Stellen voneinander ab. Manuela Wolke ist enttäuscht.
Bestellung und Lieferung weichen an vielen Stellen voneinander ab. Manuela Wolke ist enttäuscht.

Bielefeld - Am Mittwoch startete ein Prozess, auf den vermutlich viele Bräute gewartet haben: Grazyna Galczynska, Chefin vom polnischen Modehersteller "Agora", muss sich vorm Amtsgericht Bielefeld verantworten.

Sie soll trotz Unregelmäßigkeiten, die bei "Agora" in Bielefeld auftauchten, nichts unternommen und so billigend in Kauf genommen haben, dass zahlreiche Bräute um ihr Geld betrogen wurden (TAG24 berichtete).

Zwei Klägerinnen fordern deshalb Schadensersatz in Höhe von insgesamt 5000 Euro von dem Label aus Breslau. Obwohl sie ihre Kleider sofort bezahlten, wurden sie nie geliefert.

Beim Prozessauftakt zeigte sich schnell, wie verhärtet die Fronten sind. "Ich fühle mich als Stellvertreterin für viele", sagt Daniela Tieman (35), eine der zwei Klägerinnen, gegenüber der Neuen Westfälischen.

Sie musste ihre für 2017 geplante Hochzeit sogar absagen, da sie ihr Brautkleid nie erhielt. Sie ist geradezu traumatisiert von den Geschehnissen und sagt, dass sie "nie mehr im Hochzeitskleid" heiraten möchte.

Auch für Manuela Wolke (46), die sich im vergangenen Jahr immer wieder für andere betrogene Bräute stark machte, spricht von einer "Achterbahn der Gefühle, die emotional manchmal schwer auszuhalten ist".

Sie ist vollkommen enttäuscht von dem Brautladen und dem Mode-Label (TAG24 berichtete). Sie erstattete mit als erste Anzeige und verklagte die Firma. Ihr geht es vor allem darum, dass anderen Bräuten so etwas in Zukunft nicht mehr passiert.

Das Brautmoden-Gechäft der 67-Jährigen ist mittlerweile geschlossen und geräumt. Nichts erinnert mehr an ihre angeblichen Betrügereien.
Das Brautmoden-Gechäft der 67-Jährigen ist mittlerweile geschlossen und geräumt. Nichts erinnert mehr an ihre angeblichen Betrügereien.

Für ihre Anwältin, Nicola Meise, ist klar, dass die Agora-Chefin zahlen muss. Vor Gericht schilderten die beiden betrogenen Bräute, wie es zu dem mutmaßlichen Betrug kam.

Grazyna Galczynska behauptet ihrerseits, ebenfalls von Kornelia H., der Boutique-Betreiberin aus Bielefeld, betrogen worden zu sein. Sie bekäme selbst noch 50.000 Euro von der 67-Jährigen.

Erst Ende 2016 sei ihr aufgefallen, wie die mutmaßliche Betrügerin arbeitet. Damals sei Kornelia H. nicht mehr ans Telefon gegangen. Dafür meldeten sich immer mehr Bräute direkt in Breslau. Ein paar Monate später erfuhr die Öffentlichkeit von den Machenschaften (TAG24 berichtete).

Nicola Meise ist skeptisch: Der Schuldenberg hätte sich schließlich über Monate anhäufen müssen. Die Rechtfertigung von Galczynska: Die 67-Jährige hätte einen privaten Notfall vorgeschoben und um Aufschub gebeten.

Letztendlich betonten sie und ihr Anwalt Piotr Jankowski, dass sie nicht für die Kosten aufkommen werde. Schließlich gäbe es keine direkte Verbindung zwischen Kornelia H. und der Marke "Agora" - auch wenn viele das vermuten.

Ein weiteres Argument der Angeklagten: Bielefeld sei nicht für den Prozess, der gegen die polnische Firma geführt wird, zuständig. Deshalb müssten die Klagen abgewiesen werden, heißt es.

Wie es tatsächlich weitergeht, soll am 21. Februar verkündet werden.


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