Seit sieben Jahren kämpft er: Warum wird dieser Mann einfach nicht eingebürgert?

Daniel Fans Traum ist es, endlich einen deutschen Pass zu besitzen.
Daniel Fans Traum ist es, endlich einen deutschen Pass zu besitzen.  © DPA

Bielefeld - Es klingt nach totalem Irrsinn: Daniel Fan wurde 1989 in Bielefeld geboren, ist mit einer Deutschen verheiratet und beherrscht die deutsche Sprache fließend. Trotzdem besitzt er nur einen serbischen Pass.

Seine beiden Eltern kommen aus Serbien. Deshalb bekam er nach der Geburt nur die serbische Staatsbürgerschaft, weil seine Eltern keine doppelte beantragten.

"Seit sieben Jahren will ich die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen. Ich fühle mich von den Behörden diskriminiert", erzählt der 28-Jährige gegenüber der Neuen Westfälischen.

Mittlerweile ist er am Verzweifeln: "Ich tue alles, um die Staatsbürgerschaft zu bekommen, langsam weiß ich nicht mehr weiter." Im Alter von 19 Jahren bekam er erstmals Probleme, als er in einem Reisebüro einen Urlaub buchen wollte, aber nur einen serbischen Pass vorlegen konnte. "Damit ging die Geschichte los."

Ein Antrag, den er daraufhin bei der Stadt stellte, um endlich Deutscher zu werden, erwies sich als langwieriger Prozess. Beim Standesamt wurde er abgewiesen: Er hatte keinen Termin. Den bekam er erst sieben Monate später.

"Ich bekam einen Stapel Papiere, brauchte einen Lebenslauf und einen A-Sprachkurs, was aber eigentlich gar nicht nötig war." Wieder musste er warten, um einen Termin zu bekommen, um die nötigen Papiere wieder abzugeben. Acht Monate später war es dann so weit.

Daniel Fan muss viele Hürden nehmen und trotzdem ist eine Einbürgerung immer noch nicht in Sicht

Während seine Zwillinge Deutsche sind, ist Daniel Fan immer noch Serbe.
Während seine Zwillinge Deutsche sind, ist Daniel Fan immer noch Serbe.  © Wolfgang Rudolf

Obwohl sie zum Greifen nah war, scheiterte die Einbürgerung an einem Ermittlungsverfahren, das sein damaliger Arbeitgeber grundlos gegen ihn und seine Kollegen einleitete.

Dann konnte er nur über Umwege und ein ewiges Hin und Her, das ihn unter anderem nach Serbien führte, seine Verlobte heiraten. 2012 wurde er Vater von Zwillingen. Dank ihrer deutschen Mutter bekamen sie sofort den deutschen Pass, während ihr Vater weiter Serbe blieb.

Im Jahr darauf versuchte er erneut, Deutscher zu werden: "Alles wieder von Null. Die Dame im Amt sagte, ich solle mich wieder hinten anstellen." Nach 16 Monaten bekam er endlich einen Termin. Da er zu diesem Zeitpunkt selbstständig war, scheiterte auch der dritte Versuch, sich einbürgern zu lassen.

Als er plötzlich ins Krankenhaus musste, konnte er den für Dezember 2017 geplanten Termin beim Standesamt nicht mehr wahrnehmen. Erschwerend kam hinzu: "Ich konnte telefonisch niemanden erreichen beim Amt."

Der Termin konnte nicht verschoben werden, einen neuen hat er noch nicht, feste gibt es nämlich nicht mehr, sondern nur noch Wartelistenplätze. "Und da bin ich jetzt auf Platz 337, wenn ich Glück habe, findet der Termin noch in diesem Jahr statt."

Frühestens 2021 ist damit zu rechnen, dass der 28-Jährige endlich einen deutschen Pass in den Händen halten kann. So muss er auch weiterhin mit vielen Einschränkungen leben, die die serbische Staatsbürgerschaft mit sich bringt. Beispielsweise kann er nicht in die USA einreisen, obwohl seine Frau ihm einen Gutschein schenkte. Allerdings bekommt er als Serbe kein Visum.

"Ein deutscher Pass würde alles so leicht machen. Und ich bin Deutscher, ich bin waschechter Ostwestfale mit serbischem Pass."

Titelfoto: Wolfgang Rudolf