Irre! Das tümmelt sich in Sachsens größtem Fluss!

Die letzten Elbe-Schnäppchen waren der 19-Kilo-Karpfen und ein 1,36-Meter-Wels...
Die letzten Elbe-Schnäppchen waren der 19-Kilo-Karpfen und ein 1,36-Meter-Wels...

Dresden - Immer dickere Fische ziehen Angler neuerdings aus der Dresdner Elbe raus. Erst vor wenigen Tagen zappelte ein 19-Kilo-Karpfen am Haken.

Einem weiteren Hobbyangler schwamm vergangene Woche unter der Elbbrücke von Bad Schandau ein 1,36-Meter-Wels ins Netz. Wir fragen uns: Was kreucht und fleucht denn sonst noch alles in und um das Biotop Elbe?

Mit dem Wegfall der Industrie haben sich die Fischbestände in der Elbe erholt. Das bestätigt Dr. Gert Füllner, Referatsleiter der Sächsischen Fischereibehörde: Das Artenspektrum verdoppelte sich seit 1990, kletterte von 25 auf 53 Fischsorten.

Die zweite gute Nachricht: Die Fische sind wieder genießbar, stinken nicht mehr im Kochtopf wie noch vor der Wende. Nur für den Zander, der seine Nahrung eher im trüben Gewässer fängt, ist die Elbe fast schon zu klar. Seine Bestände gehen leicht zurück. Der Hecht hingegen, ein Raubfisch, der seine Beute über die Augen erspäht, vermehrt sich zusehends.

Auch Körbchenmuschel, Grüne Keiljungfer und der Große Abendsegler profitieren vom sauberen Elbwasser. Dr. Ulrich Zöphel, Referent für Tierartenschutz, weiß: Selbst der Gänsesäger siedelt sich seit drei Jahren an.

Barbe & Lachs.
Barbe & Lachs.

Barbe

Dank des satten Nahrungsangebots kommt der Karpfenfisch derzeit am häufigsten in der Elbe vor. Optimal an die Strömung angepasst, gründelt der Kiemenatmer nach Würmern, Krebsen, Schnecken. Nur in der Laichzeit vom 15. April bis zum 30. Juni haben Barben Schonzeit, müssen zurück ins Wasser.


Lachs

Das seit 1995 laufende Wiederansiedlungsprojekt zeigt Erfolg. Von den 250 000 Rötlingen, die jährlich als Zwei-Zentimeter-Larven ausgesetzt werden, kehren etwa tausend Lachse zum Laichen zurück. Zwischen 1880 bis 1915, als man nur noch Turbinen statt Wasserräder baute und die Nebenflüsse unpassierbar wurden, starben die Lachse der Elbe aus.

Wollhandkrabbe

Die Wollhandkrabbe wanderte im Ballastwasser der Schiffe aus China ein. Von Hamburg breitet sich der Krebs seit 1920 aus. Doch die scharfen Scheren zerstören Fischernetze. 1950 führte das massenhafte Auftreten zum Problem, bis die zunehmende Wasserverschmutzung es löste. Inzwischen vermehren sich die Bestände wieder.

Großer Abendsegler, Gänsesäger & Wechselkröte.
Großer Abendsegler, Gänsesäger & Wechselkröte.

Schwarzmundgrundel

Vereinzelt kriecht die Schwarzmundgrundel seit 15 Jahren auf dem Elbboden rum, seit 2016 geht sie ständig ins Netz. Denkbar, dass sie im Ballastwasser der Schiffe aus dem Donaudelta in den Rhein gelangte - und über die Nordsee in die Elbe. Das Problem: Der Nahrungskonkurrent frisst die Brut heimischer Fische. Eine Lösung ist denkbar: Im Rhein landete die Grundel auf dem Speiseplan von Zander und Hecht.

Biber

Vom Ketzerbach, der unter Meißen in die Elbe mündet, wandert der Biber seit 1990 flussaufwärts. Der Nager braucht alte Elbhäfen und natürliche Ufer, in denen er sich eingraben kann. An der gepflasterten Elbe ist das aber nicht immer so einfach möglich.

Wechselkröte

Die Ordnungsliebe nahm zu, die Pfützen ab. Heute ist die Wechselkröte in Sachsen stark gefährdet. Nur im Radebeuler Raum quakt sie noch, ebenso zwischen Pirna und Dresden. Hinterm Deich, wo das Grundwasser durchsickert, gräbt sich die Grüne Kröte in sandige Böden ein.

Grüne Keiljungfer

In den verschlammten Kiesböden erstickten die Larven der Großlibelle nahezu. Mit der Verbesserung der Wasserqualität finden die Kiemenatmer (als Larve!) wieder einen idealen Lebensraum. Seit Mitte der 1990er-Jahre breitet sich die Grüne Keiljungfer erneut an der Elbe aus.

 Wollhandkrabbe & Biber.
Wollhandkrabbe & Biber.

Graureiher

Die Graureiher-Kolonie mit ca. 140 Brutpaaren auf der Elbinsel Gauernitz bei Coswig löste sich zwar 2013 auf - vermutlich, weil der Waschbär störte. Dafür nisten die Fischreiher jetzt im Raum Riesa. Weitere hundert Paare brüten auf der Pillnitzer Elbinsel.

Großer Abendsegler

Die Insektenschwärme über der Elbe sind für den Großen Abendsegler ideal. Neben Baumhöhlen hängt die streng geschützte Fledermaus tagsüber vor allem in den Felsritzen der Sächsischen Schweiz oder in den Spalten der Plattenbauten in Dresden Klotzsche. Die Bauarbeiter integrierten extra Verstecke in der Dämmung.

Gänsesäger

Einst überwinterte der Gänsesäger nur an der Elbe. Seit drei Jahren ist der Vogel heimisch, taucht mit den Hornzähnchen am Hakenschnabel nach kleinen Fischen. Etwas größer als die Stockente, hat das weißbäuchige Männchen einen grünschillernden Rücken. Die Weibchen sind braun.

Malermuschel

Früher nutzten Maler Muschelschalen als Paletten, mischten darin ihre Farben an. In Kötitz bei Coswig findet man sie noch, sonst ist die Malermuschel in Sachsen selten geworden. Mit der Verbesserung der Gewässerqualität vermehrt sie sich seit 1995 wieder.