Wut, Hass und Beschimpfungen: So hart geht es am Familiengericht zu

Viele Väter wollen heute von Anfang an die Entwicklung ihrer Kinder aktiv begleiten. Nach der Trennung von der Partnerin begnügen sie sich nicht mehr mit der Rolle des Event-Papas.
Viele Väter wollen heute von Anfang an die Entwicklung ihrer Kinder aktiv begleiten. Nach der Trennung von der Partnerin begnügen sie sich nicht mehr mit der Rolle des Event-Papas.  © 123RF

Chemnitz - Bittere Tränen, unbändige Wut, wüste Beschimpfungen, blanker Hass - am Familiengericht in Chemnitz hat Birgit Feuring (50) das alles schon erlebt. „Der Ton im Gerichtssaal wird zunehmend rauer“ stellt die Richterin fest.

Mit Blick auf ihre Scheidungs- und Sorgerechts-Prozesse fügt sie hinzu: „Die Verfahren werden immer länger und komplizierter. Zudem müssen wir immer öfter externen Sachverstand hinzuziehen, um Entscheidungen zum Wohl der Kinder treffen zu können.“

Der Hauptgrund dafür liegt in einem - eigentlich erfreulichen - Trend. Früher genügte es dem Gros der geschiedenen Papas, ihren Nachwuchs alle 14 Tage für einen Nachmittag zum Eisessen abzuholen und den Rest der Mutter zu überlassen.

Heute wollen die neuen Väter mehr - auch mehr Mitsprache. Der Staat fördert das. Er stärkte die Rechte der Papas, regelte die Unterhaltsgesetze neu. „Die Männer wissen das. Die meisten nutzen den gesetzlichen Rahmen, denn sie wollen ihrer Vaterrolle gerecht werden.“

Birgit Feuring ist seit über zehn Jahren als Familienrichterin tätig.
Birgit Feuring ist seit über zehn Jahren als Familienrichterin tätig.  © Klaus Jedlicka

Birgit Feuring ist bewusst, dass Paare in Ausnahmesituationen vor sie treten. „Zwischen Müttern und Vätern gibt es da keine Unterschiede. Sie kämpfen beide wie Löwen, wenn um die Kinder gestritten wird.

Je kürzer die Trennung zurückliegt, desto emotionaler sind die Verhandlungen, bei denen Sorge- und Umgangsrechte oder das Aufenthaltsbestimmungsrecht geregelt werden sollen“, berichtet die Richterin.

Die gestandene Juristin sagt, dass es nichts Neues ist, dass Kinder in Scheidungsprozessen instrumentalisiert werden. Dabei geht es fast immer nur darum, den Ex-Partner „abzustrafen“. Neu ist, dass dies immer öfter passiert.

Die Vorwürfe und Vorträge ähneln sich dabei stets: Da werden kleine Spielplatz-Unfälle, schmutzige Schuhe, vergessene Hausaufgaben, Pausenbrote oder Arzt-Termine überdramatisiert, um der verflossenen Liebe Versagen nachzuweisen oder diese schlecht vor dem Richter dastehen zu lassen.

„Der Worst Case ist der Vorwurf, dass es sexuelle Belästigungen oder Übergriffe gab. Das war eine Zeit lang so etwas wie Mode bei Gericht“, berichtet Birgit Feuring.

Die Richterin schätzt ein, dass sie etwa in einem Drittel der Scheidungsverfahren, in denen Sorgerechte oder Umgangsregelungen streitig sind, Sachverständige wie Kinderpsychologen oder einen Verfahrensbeistand als „Anwalt des Kindes“ hinzuzieht.

Birgit Feuring: „Ich würde mir wünschen, dass zwischen den Eltern ein Grundkonsens herrscht, bevor sie vor Gericht erscheinen. Das wäre das allerbeste, um rasch kindgerechte Lösungen zu finden.“


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