AfD hat Wahlzoff mit den Sorben

Die Gruppe der Sorabistischen Nachwuchsakademikerinnen.
Die Gruppe der Sorabistischen Nachwuchsakademikerinnen.  © Verein/PR

Dresden - Problemfall AfD. Erneut eckt die Partei mit Provokationen in Sachsen an, diesmal bei der sorbischen Minderheit. Streitpunkt ist ein (wohl) lustig gemeintes Plakat.

Jan Budar (42) ist eigentlich ein humorvoller Mensch. Aber bei dem Scherz schwindet dem Direktor der Stiftung für das sorbische Volk das Lachen: Eine Sorbin posiert inmitten anderer Trachtenmädels. Darüber der Satz "Bunte Vielfalt? Haben wir schon.".

Darunter das AfD-Logo. Die Plakate sind im „AfD-Fanshop“ bestellbar: für 1,30 das Stück oder für 65 Euro als 50er-Rolle.

"Auch wenn wir Sorben sehr traditionsbewusst sind, finden wir es befremdlich, im Zusammenhang mit polemischen und fremdenfeindlichen Kampagnen genannt und gezeigt zu werden", echauffiert sich Budar.

Das umstrittene Plakat gibt es im AfD-Fanshop
Das umstrittene Plakat gibt es im AfD-Fanshop

"Wir sind gerade aufgrund der eigenen kulturellen und sprachlichen Besonderheiten offen für eine alltägliche kulturelle Vielfalt und sehen darin keine Gefahr für die eigenen Werte."

Die Sorbenvertretung Domowina moniert: "Es ist für uns unverständlich, wenn mit dem sorbischen/wendischen Volk Wahlwerbung gegen andere Bevölkerungsgruppen betrieben wird.“ Und der sorbische Landtagsabgeordnete Heiko Kosel (50, Linke) sagt: "Wer mit sorbischen Motiven werben will, sollte dann auch etwas für sorbische Belange tun." Eine von der AfD-Fraktion gewünschte Änderung der sächsischen Landesverfassung zur deutsche Sprache hätte dagegen eine Degradierung des Sorbischen bedeutet.

Aufgeschreckt worden sind die Funktionäre durch die Gruppe der "Sorabistischen Nachwuchsakademikerinnen". Die haben eine Resolution gegen das Plakatmotiv beschlossen. Die Gruppe sieht einen "Missbrauch der sorbisch/wendischen Kultur". Symbole würden instrumentalisiert.

Sprecher Robert Lorenc (39): "Mit dem Protest wollen wir die Leute zu Gedanken anregen, was die AfD da überhaupt für eine Debatte führt. Und: Wir wollen der AfD nicht die Deutungshoheit in Sachen Trachten überlassen."

Die AfD Sachsen wollte sich zu dem Motiv nicht äußern.

Sorbe Jan Budar (39) findet das Plakat der Alternative für Deutschland gar nicht zum Lachen.
Sorbe Jan Budar (39) findet das Plakat der Alternative für Deutschland gar nicht zum Lachen.  © Norbert Neumann

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