Neuer Raum im Schloss: Was trieb August der Starke in diesem Bett?

Dresden - August der Starke wäre entzückt: Gerade entstehen im Westflügel der Dresdner Residenz seine legendären Prunkgemächer wieder neu - eine imposante Zimmerflucht mit Paradesaal, Vorzimmern und Audienzgemach.

Das Dresdner Residenzschloss.
Das Dresdner Residenzschloss.  © Norbert Neumann

Zum 300. Jubiläum der Hochzeit seines Sohnes Friedrich August II. (1696-1763) sollen die Paraderäume 2019 fertig sein. Der Höhepunkt damals wie heute: Augusts imposantes Schlafgemach.

Vorbild für Augusts Schlafzimmertraum war übrigens ein Bett, wie er es bei Sonnenkönig Ludwig XIV. (1638-1715) in Versailles gesehen hatte.

Ein Paradebett! Augusts Liegestatt in Dresden wurde 3,30 Meter lang, zwei Meter breit - das bot selbst dem stattlichen August ausreichend Platz. In fünf Meter Höhe schwebte ein "Himmel" über ihm. Das Paradebett hatte einen ähnlichen Rang wie der Thron im Audienzgemach direkt daneben.

Entsprechend aufwendig wurde dieses offizielle Nachtlager samt Zimmer auch eingerichtet. 30 bis 50 Kilo vergoldetes Silber waren allein in den Stoffen des Bettes verarbeitet worden. All das entsteht derzeit fadengenau neu.

Grundlage sind Reste, die die Zeiten wie Kriegszerstörung überdauert haben. Das Kopfteil von Augusts Prunkbett ist original erhalten und wird in den Neubau der königlichen Bettstatt integriert.

So prächtig wird das Paradeschlafzimmer mit dem riesigen Goldbett am hinteren Ende nach der Fertigstellung aussehen.
So prächtig wird das Paradeschlafzimmer mit dem riesigen Goldbett am hinteren Ende nach der Fertigstellung aussehen.  © Visualisierung: SKD

Die Decke war mit einem riesigen Leinwand-Gemälde geschmückt. Für die Rekonstruktion haben Maler derzeit die Schlosskapelle besetzt. Dort malen sich die Künstler gerade warm, bevor sie auf der 100 Quadratmeter großen Leinwand die Pinsel ansetzen. Als Vorlagen dienen Farbfotos von 1943. Das Original stammte vom französischen Hofmaler Louis de Silvestre (1675-1760). Seine Allegorie der Tageszeiten hatte August extra für sein Schlafzimmer bestellt.

Damals wie heute eine extrem teure Angelegenheit. Mit einem Unterschied: Einst zahlten alles die Sachsen, diesmal zahlen die Preußen mit. Von den 34,5 Millionen Euro Gesamtkosten für die Paradesäle übernimmt Berlin immerhin zwölf Millionen.

Um nun aber die Gretchenfrage zu beantworten: "Kinder zeugte August hier nicht", so Kunsthistorikerin Sabine Schneider.

August hatte sich 1715 im Südflügel ein Schlafzimmer bauen lassen, in dem er sich tatsächlich zur Nacht(un)ruhe bettete. Das Paradebett aber diente dann doch noch als echte Schlafstätte - für König Johann (1801-1873). Der hatte übrigens neun Kinder ...

Kaum zu glauben, dass hier in einem Jahr schon einer der schönsten Räume des Schlosses glänzen wird: Augusts Paradeschlafzimmer im Rohbau.
Kaum zu glauben, dass hier in einem Jahr schon einer der schönsten Räume des Schlosses glänzen wird: Augusts Paradeschlafzimmer im Rohbau.  © Norbert Neumann
Roter Samt und 24-karätige Goldfäden: Ministerpräsident Michael Kretschmer (2.v.l.) ließ sich Mittwoch von Kunsthistorikerin Sabine Schneider (M.) die überbordenden Brokatstickereien zeigen - alles reine Handarbeit!
Roter Samt und 24-karätige Goldfäden: Ministerpräsident Michael Kretschmer (2.v.l.) ließ sich Mittwoch von Kunsthistorikerin Sabine Schneider (M.) die überbordenden Brokatstickereien zeigen - alles reine Handarbeit!  © Norbert Neumann
Sein Traumschlafzimmer entsteht wieder neu: August der Starke (1670 - 1733).
Sein Traumschlafzimmer entsteht wieder neu: August der Starke (1670 - 1733).  © Archiv

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