An Dresdens dicksten "Eiern" stinkt's: So soll es jetzt gelöst werden

Dresden - Für die Stadtentwässerung sind die Faultürme an der A4, zumindest augenzwinkernd, eines der Wahrzeichen der Stadt. Anwohnern stinken sie einfach nur. Das soll nicht so bleiben: Vor Ort tüftelt eine "Projektgruppe Geruch" unter anderem daran, ob der Gestank mit Parfüm neutralisiert werden kann.

Die Kaditzer Faultürme an der Autobahn: Unterirdisch wird der Fäkal-Schlamm in die hermetisch abgeriegelten Türme gepumpt.
Die Kaditzer Faultürme an der Autobahn: Unterirdisch wird der Fäkal-Schlamm in die hermetisch abgeriegelten Türme gepumpt.  © Steffen Füssel

2012 gingen beide "Eier" ans Netz. Prall gefüllt mit Fäkal-Schlamm aus der Kanalisation, werden Faulgase produziert. Der so hergestellte Strom deckt 80 Prozent des Energieverbrauchs der Kläranlage. Nachteil: Es riecht - mal mehr, mal weniger.

Gert Bamler (53), Kläranlagenchef und Projektgruppenleiter "Geruch": "Wir kennen verschiedene Faktoren, warum es riecht. Wie die Faktoren zusammenhängen, wird erforscht.

Also wird experimentiert. Im Verladebereich der weitgehend luftdicht abgeriegelten Anlage wurde eine "Geruchsmaskierung" eingesetzt. "Duftstoffe sollten den Geruch umwandeln. Am Ende war es aber eher wie beim Duftbaum im Auto", so Projektchef Bamler.

Momentan arbeiten die Experten an einer Weiterentwicklung. Ätherische Öle sollen gezielter verteilt werden.

Kläranlagenchef Gert Bamler (53) leitet auch die Projektgruppe „Geruch“ der Stadtentwässerung.
Kläranlagenchef Gert Bamler (53) leitet auch die Projektgruppe „Geruch“ der Stadtentwässerung.  © Steffen Füssel

Der Verladebereich soll zudem umgebaut werden. Zukünftig fahren die Laster mit Klärschlamm in eine Art Tunnel samt Luftansaugung. Luftschleusen sollen verhindern, dass bei der Ausfahrt Gerüche entweichen. Laster dürfen die Anlage nur mit geschlossener Plane verlassen.

Anderswo kontrollieren Sensoren die Methan-Konzentration der Silos. Nur wenn Gefahr besteht, wird gelüftet. Bamler: "Früher lief die Lüftung rund um die Uhr."

Zudem wurde die Menge an Fett, die als Energiequelle der Faulgaserzeugung dient, reduziert. Das Fett holen Dienstleister eigentlich in den Restaurants der Stadt ab, damit die Kanalisation nicht verstopft wird. Eine Forschungsarbeit versuchte zudem, den Gestank messbar zu machen.

Das Ergebnis so vieler Bemühungen? "Es ist besser geworden", sagt Wasserwirtschaftler Bamler. "Dennoch gibt es Tage, da können wir am Laster hochklettern und es stinkt nicht - und es gibt Tage mit wirklich unangenehmen Gerüchen."

Stadtentwässerung hat 'ne "Schnüffler"-Homepage

Riesige unterirdische Filteranlagen zerstören Gerüche etwa mit UV-Strahlung.
Riesige unterirdische Filteranlagen zerstören Gerüche etwa mit UV-Strahlung.  © Steffen Füssel

Auf der Homepage der Stadtentwässerung (stadtentwaesserung-dresden.de) können Gerüche, die mutmaßlich mit der Kläranlage zusammenhängen, angezeigt werden.

Im Schnitt werden zwei bis drei Ereignisse pro Monat gemeldet. Neben Monaten ganz ohne Beschwerden gibt es in schlechten Monaten bis zu zehn, teils von mehreren Anwohnern gemeldete, Ärgernisse.

"Meldungen gab es über das Stadtgebiet verteilt. Die weit entfernten waren jedoch lokal verursacht. Tatsächlich reicht der Geruch bis zu dem Wohngebiet an der Flutrinne", so Gert Bamler (53) von der Stadtentwässerung.

Streitereien vor Gericht gab es noch keine. "Unser Ziel ist es, rechtliche Auseinandersetzungen zu vermeiden", so Bamler weiter.

Abzüge von Filteranlagen sollen zukünftig höher gebaut werden. So durchmischen sich Gerüche besser.
Abzüge von Filteranlagen sollen zukünftig höher gebaut werden. So durchmischen sich Gerüche besser.  © Steffen Füssel
In dieser Anlage wird der kompostierbare Rest des Schlammes abtransportiert. Die meisten Gerüche entstehen in diesem Bereich.
In dieser Anlage wird der kompostierbare Rest des Schlammes abtransportiert. Die meisten Gerüche entstehen in diesem Bereich.  © Steffen Füssel

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