Deshalb liegt in Dresdner Tresor Asche von Lady D.

Dresden - In den Hochsicherheitstresoren des Dresdner Stadtarchivs lagern 280.000 Karten und Pläne, 500.000 Fotos, 90.000 Ansichtskarten, 50.000 Bücher über Dresden und 6000 Urkunden - und das auf insgesamt 42 Regalkilometern.

In den klimaüberwachten Magazinen herrschen durchgehend kühle 16 Grad. "Schließlich sollen die Archivalien noch die nächsten 700 bis 800 Jahre erhalten bleiben", hofft Thomas Kübler (53), Direktor des Dresdner Stadtarchivs. Schon im 14. Jahrhundert wurde in Dresden begonnen, ganz besonders wichtige Pergamente gesondert aufzubewahren. Chef-Archivar Kübler zeigte TAG24 seine persönlichen Schätze aus den Tiefen der Magazine.

Die Asche der Lady D.

Das wohl morbideste Artefakt im Besitz des Stadtarchivs! In einer Glasflasche aufbewahrt sind die sterblichen Überreste der Engländerin Katherine Dilke (1842–1874) alias Lady D. Was an Staub und Knochen so besonders ist? "Lady D. war der erste Mensch, der im geschlossenen Feuer verbrannt wurde", erzählt Kübler.

Denn: In Dresden auf der Freiberger Straße begann die Geschichte der modernen Feuerbestattung. Die Flasche mit den Überresten der englischen Lady fanden Mitarbeiter des Stadtarchivs 1992 in einem Safe der einstigen Glasfabrik von Friedrich Siemens.

© Norbert Neumann

Die Sterbeurkunde der Lili Elbe

In den Magazinen des Stadtarchivs schlummert unter anderem die Sterbeurkunde der Lili Elbe, die als Einar Wegener zur Welt kam. Lili Elbe war eine dänische Malerin und einer der ersten intersexuellen Menschen, die sich 1930/31 in mehreren Operationen einer Geschlechtsumwandlung unterzogen hat - unter anderem in der Dresdner Frauenklinik.

Verfilmt wurde ihre Geschichte 2016 mit "The Danish Girl" mit Oscarpreisträger Eddie Redmayne in der Hauptrolle. Am 12. September 1931 starb die Dänin an den Folgen ihrer vierten Operation.

© Norbert Neumann

Die Bulle von Pabst Bonifatius IX

Eine absolute Rarität in städtischen Archiven! Das Pergament aus dem Jahr 1399 ist die einzige original erhaltene Papst-Urkunde im Stadtarchiv Dresden. Ursprünglich gab es fünf oder sechs solcher Dokumente aus der Reformationszeit, die bis auf dieses eine Exemplar verschollen sind.

"Papstbullen sind in Stadtarchiven selten überliefert", sagt Thomas Kübler. "Inhaltlich ist das nur ein schnöder Ablassbrief. Das Wertvolle daran ist, dass die Bulle noch so gut erhalten ist." Als "Bulle werden die Urkunden genannt, weil mit einer Bleikapsel (lateinisch: bulla) besiegelt wurden.

© Norbert Neumann

Dresdens ältestes Stadtbuch

"Wir halten hier pure 700 Jahre in der Hand", sagt der Chefarchivar. Das Stadtbuch der Stadt Dresden aus dem Jahr 1404 ist das älteste im Bestand des Stadtarchivs - und außerdem Thomas Küblers Lieblingsstück. Das Buch enthält Vorgänge der Jahre 1404 bis 1436. Die Aufsicht führte der jeweilige Stadtschreiber.

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Titelfoto: Norbert Neumann


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