Mutmaßlicher Sexgangster will nicht verhandeln und muss getragen werden

Dresden - Im Frühjahr sorgte ein Sex-Gangster vor allem im Hechtviertel für Aufregung. Immer wieder griff ein Mann abends Frauen an. Er begrapschte, bedrängte und küsste sie.

Der Angeklagte musste in den Saal getragen werden. Liegend!
Der Angeklagte musste in den Saal getragen werden. Liegend!  © Holm Helis

Im Juni wurde Rami A. (33) als mutmaßlicher Täter festgenommen. Die Anklage lautet auf zehn solcher Übergriffe. Doch der Prozess am Dienstag am Landgericht Dresden wurde vertagt. Weil Rami sich weigerte, die Haftzelle zu verlassen!

Um neun Uhr rief Richter Norbert Wenderoth (57) den Fall auf. Doch die Wachmänner riefen aus dem Haftkeller an, teilten mit, dass der beschuldigte Syrer nicht erscheinen will. Also ging sein Anwalt Matthias Ketzer (43) in die Zelle, um seinem Mandanten ins Gewissen zu reden. "Meine Ansprache hat ihn nicht erreicht", sagte der Jurist hernach resigniert zu den Prozessbeteiligten.

Noch während beraten wurde, was zu tun ist, gab es einen neuen Anruf aus dem Haftkeller: Rami A. würde jetzt "zucken", man benötige einen Notarzt zur Klärung. Gesagt, getan. Der Notarzt wurde 10.15 Uhr gerufen. Der Mediziner bestätigte dem Richter Minuten später, dass der Angeklagte "kerngesund" sei. Allerdings könne er dessen Psyche nicht einschätzen.

Von einer möglichen Verhandlungsunfähigkeit wollte allerdings die Staatsanwältin nichts wissen: "Bisher gab es nie Anzeichen dafür." Also versuchte der Richter erneut, den Prozess zu beginnen, ließ den Angeklagten "wie auch immer" vorführen. Und so trugen drei Justizwachmänner um 10.50 Uhr Rami A. in den Saal im zweiten Stock. Liegend!

Sie hievten ihn auf den Stuhl an der Anklagebank. Dort saß der Mann, mit fast geschlossenen Augen, stumm und reagierte auf keinerlei Ansprache.

Das sah sich der Richter freilich nicht lange an: "Wir unterbrechen jetzt die Verhandlung bis zum Donnerstag", entschied Norbert Wenderoth. Bis dahin sollen Wachmänner aus Gericht und JVA zum Verhalten von Rami A. gehört werden. Ob der Angeklagte der Justiz auf der Nase herumtanzt und somit die Opfer auch noch verhöhnt, soll dann ein Gutachter klären. Der soll am Donnerstag mitteilen, ob Rami A. (33) verhandlungsunfähig ist.

Nach dem Beschluss "rollten" Justizbedienste den angeblich schlafenden Angeklagten auf einem Bürostuhl zurück in den Haftkeller. Prozess beendet, um 11 Uhr. Vorerst.

Titelfoto: Holm Helis


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