Aus für "Pro Chemnitz"-Boss Kohlmann: Verein der Strafverteidiger haut Anwalt raus

Dresden - Der Verein der Strafverteidiger Sachsen/Sachsen-Anhalt hat den Chemnitzer Rechtsanwalt Martin Kohlmann (41) rausgeschmissen. Der Stadtrat ist auch Chef der Wählervereinigung "Pro Chemnitz" und gilt als Rechtspopulist mit Verbindungen zur rechtsextremen Szene.

Martin Kohlmann (41) ist Anwalt und soll Verbindungen zur rechten Szene haben.
Martin Kohlmann (41) ist Anwalt und soll Verbindungen zur rechten Szene haben.  © DPA

Noch nie zuvor hat die Strafverteidigervereinigung vorher ein Mitglied ausgeschlossen, so Verbands-Chef Andreas Boine (48), Rechtsanwalt in Dresden, zu TAG24: "Es geht um sein Wirken bei Pro Chemnitz, das dem Vereinszweck zuwiderläuft." Dazu gehörten etwa die Verteidigung von Grund- und Menschenrechten.

Kohlmann selbst spricht von einem "Akt des Opportunismus", der ihn angesichts der "bundesweiten Meinungsmache" wenig überrasche. Er versteigt sich bei Facebook gar zur Aussage: "Ich verstehe jetzt besser, wie zahlreiche Vereine in den 30ern Juden rausgeworfen haben. Die Mechanismen waren die gleichen, ein Befehl von oben war gar nicht nötig."

Derweil läuft bei der Rechtsanwaltskammer Sachsen noch ein berufsrechtliches Verfahren gegen Kohlmann. Hintergrund sind Äußerungen im Prozess gegen die Rechtsterroristen der "Gruppe Freital".

Dort hatte Kohlmann im Plädoyer seine Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass sich seine Ausführungen "nach einem Systemwechsel einmal strafverschärfend in einem Prozesse gegen das Gericht wegen Freiheitsberaubung und Rechtsbeugung auswirken" würden.

Zudem lässt die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden prüfen, ob Kohlmann bei einer Demonstration in Chemnitz Ende August zu Straftaten aufrief. Als Teil der neo-nationalsozialistischen Szene in der Region Chemnitz wird Kohlmann vom Verfassungsschutz beobachtet.


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