Verhindert die Bundeswehr ein großes Dresdner Wohnprojekt?





Auf diesem Baugrundstück zwischen Graf-Stauffenberg-Kaserne und Jägerpark sind 580 Wohnungen geplant.
Auf diesem Baugrundstück zwischen Graf-Stauffenberg-Kaserne und Jägerpark sind 580 Wohnungen geplant.  © Eric Münch

Dresden - Diese Siedlung wäre ein Traum: Direkt am Rande der Dresdner Heide, zwischen Graf-Stauffenberg-Kaserne und Jägerpark, will die „Tewac Jägerpark Wohnungsbaugesellschaft“ 580 Öko-Wohnungen bauen - Leben quasi mit Mutter Natur.

Doch ein mächtiger Nachbar sorgt für Ärger: Die Bundeswehr! Denn die will in dem Areal so viel Krach machen dürfen, wie sie will.

Allerdings ist es dort meist totenstill. Der thematisierte Lärm ist also eher ein Phantom-Lärm...

Derzeit ist die Offiziersschule direkt neben der geplanten Siedlung ein beschaulicher Ort. Keine Panzer röhren hier, maximal ein Startschuss auf der Sportanlage wird mal abgefeuert, die Soldaten büffeln in 47 Hörsälen statt zu ballern.

Trotzdem will die Bundeswehr die Möglichkeit offen halten, es dort auch mal richtig krachen zu lassen. Und das gefährdet das geplante Wohn-Idyll.

„Es ist zutreffend, dass die Bundeswehr ein Emissionskontingent von 65 Dezibel beansprucht“, bestätigte ein Sprecher des zuständigen Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBw) in Bonn.

Das Amt beruft sich auf das „Sondergebiet Bund“, zu dem die Kaserne gehört. Entsprechend müssten angrenzende Bewohner mit einem Schallpegel von 65 Dezibel tags wie nachts jederzeit rechnen. Das entspricht dem Rattern einer Nähmaschine.





Kay Tews (47), Chef der Tewac Jägerpark Wohnungsbaugesellschaft.
Kay Tews (47), Chef der Tewac Jägerpark Wohnungsbaugesellschaft.  © Eric Münch

Bleibt die Bundeswehr stur, droht dem 150-Millionen-Wohnprojekt wegen enormer Auflagen das Aus.

Vor Ort, zwischen Offizierschule und SC-Borea-Sportplatz, fordert Tewac-Chef Kay Tews (47): „Man muss die tatsächlichen Lärm-Werte als Grundlage nehmen.“

Er hält die Regelung auf die sich das BAIUDBw beruft für nicht mehr zutreffend. Im Alltag, so der Bauherr, sei die Kaserne viel ruhiger, auch der Helikopter-Landeplatz der Bundeswehr werde kaum genutzt.

Diese Frage soll nun ein Schallschutzgutachten klären, das in Arbeit ist. Die Bundeswehr hingegen will sich bei dem Standort alle Lärm-Optionen offen halten.

Laut Stadtplanungsamt wir noch in diesem Quartal eine Beteiligung der Öffentlichkeit samt Bundeswehr erfolgen. Probleme sollen im Bebauungsplanverfahren abgewogen werden. Tews bleibt hoffnungsvoll: Mit dem Amt habe die Zusammenarbeit bislang gut funktioniert ...

So könnten die Wohnungen am Jägerpark aussehen.
So könnten die Wohnungen am Jägerpark aussehen.  © Jägerpark Wohnungsbaugesellschaft

Öko-Wohnprojekt mit Schlangenwall

Dieses riesige Wohnprojekt ist für Dresden einzigartig: Es soll möglichst nachhaltig und ökologisch werden. „Die Grundidee war ein innovatives Energie- und Wohnkonzept auf die Beine zu stellen“, so Kay Tews.

Der Plan: Die 580 Wohnungen sollen sich zu 60 bis 70 Prozent selbst mit Energie versorgen, komplett CO2-neutral im Betrieb sein. Die Mieter sollen eine Flatrate für die Wohn- und Nebenkosten bekommen. „Das führt zu komplett überschaubaren Kosten für die Mieter, gibt Sicherheit“, so Tews. Auch 100 Sozialwohnungen und Stellplätze für Elektro-Autos sind geplant.

Sogar mit dem Umweltamt habe man Kompromisse erarbeitet: Denn auf dem Areal leben (ungiftige) Schlingnattern. Tews siedelt die Tiere in Absprache mit dem Naturschutz um. Am Rand des drei Hektar großen Areals finden die Tiere ein neues Zuhause in einem so genannten Schlangenwall.

Das Areal aus der Luft verdeutlicht die Nähe zum Bundeswehrstandort.
Das Areal aus der Luft verdeutlicht die Nähe zum Bundeswehrstandort.  © Screenshot/Google Maps
Krachmacher: Die Kaserne verfügt über einen Hubschrauber-Landeplatz.
Krachmacher: Die Kaserne verfügt über einen Hubschrauber-Landeplatz.  © Ove Landgraf

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