Terror-Prozess: Angeklagte unter Tränen: "Ich hab mich aufgenommen gefühlt"

Benjamin Z. soll der Chef der Freien Kameradschaft Dresden sein.
Benjamin Z. soll der Chef der Freien Kameradschaft Dresden sein.

Dresden - Im Prozess am Landgericht Dresden wurde die Anklage gegen die sechs Angeklagten verlesen. Laut Generalstaatsanwalt war Gründungsmitglied Benjamin Z. (29) der Rädelsführer der kriminellen Vereinigung Freie Kameradschaft Dresden (FKD).

Der Programmierer war unter anderem der Administrator der WhatsApp-Gruppen „FKD-Info“ und „Grützegruppe“ über die sich der rechte Schlägertrupp organisierte. Und er gab angeblich strenge Nutzungsregelungen vor.

Während in der Grützgruppe neben rechtem Gedankengut alle möglichen Floskeln und Infos erlaubt waren, schrieb das AGB der „FKD-Info“ vor, den Kanal ausschließlich für die Verabredung von Straftaten zu nutzen. Bei Zuwiderhandlung flog der Betroffene sogar für 24 Stunden aus dem Chat, war sozusagen „von den Kameraden abgeschnitten.“

Außerdem soll Benjamin Z., Verhaltensregeln vorgegeben haben: Was zu tun sei, bei Polizeikontrollen zu Beispiel. Und er gab den Klamottenkodex des Schlägertrupps vor: Schwarz, vermummt, mit Handschuhen und ausgestattet mit Pyrotechnik.

Die FKD, die sich nach einer Anti-Asyl-Demo im Juli 2015 in einer Dresdner Kneipe gründete, war laut Anklage alles andere als ein schwadronierende Stammtischklub. Immer wieder griffen die Angeklagten in wechselnder Besetzung und mit Gleichgesinnten politisch Andersdenkende, Flüchtlinge oder Polizisten an. Sie waren bei den Krawallen vorm Aufnahmelager in Heidenau ebenso dabei, wie bei Angriffen auf Heime in Dresden.

Nicht selten rottete sich die FKD, die regelmäßig bei Pegida in Formation auflief, dabei mit der Terrorvereinigung „Gruppe Freital“ zusammen, gegen die derzeit am Oberlandesgericht am Hammerweg verhandelt wird. So überfielen die Rechten Schläger gemeinsam das alternative Wohnprojekt „Mangelwirtschaft“ in Dresden. Bei den Taten flogen Steine und verbotene Pyrotechnik. Es wurde geschlagen, getreten, randaliert. Wie im Januar 2016, als die FKD gar zusätzlich mit Äxten und Stahlruten in Leipzig Connewitz einfiel. Über 20 Geschäfte und 16 Autos brannten, als der Mob durchs Viertel marodierte. Schaden mindestens 120. 000 Euro.

Erschreckend auch: Wie in der Gruppe Freital ist auch bei den mutmaßlich aktiven Mitgliedern der FKD eine Frau. Janette P. (27) soll laut Anklage die anderen Täter aufgefordert haben, reichliche Steine zu einem Überfall auf ein Flüchtlingsheim mitzunehmen. Beim Angriff auf einen Asylbewerber auf dem Volksfest in Dresden soll die Ergotherapeutin dem Opfer so heftig am Ohrring gezerrt haben, dass sich der Schmuck verbog.

Von den sechs Beschuldigten wollten am Mittwoch vier keinerlei Angaben machen. Janette P. will wenigstens zu ihrem Lebenslauf sprechen. Franz R. kündigte an, sich zu den Vorwürfen zu äußern.

Die Angeklagte Janette P. fühlte sich von der FKD aufgenommen.
Die Angeklagte Janette P. fühlte sich von der FKD aufgenommen.

Update 14.59 Uhr: Im Prozess erklärte Janette P. dem Richter unter Tränen, sie habe sich von der FKD „aufgenommen“ gefühlt. „Sie gaben Schutz und Sicherheit“, so die junge Mutter, die offenbar in jungen Jahren Opfer sexueller Gewalt wurde. „Die Aussage ‚Schutz für Frauen und Kinder‘ hat mich beeindruckt.“

Auch dem Mitangeklagten Franz R. liefen Tränen übers Gesicht als er sich zu seinem bisherigen Leben äußerte. Er habe sich von seinen Eltern vernachlässigt gefühlt, als die sich nur noch um den krebskranken Bruder kümmerten. Als die persönlichen Probleme immer stärker wurden, habe er „bei Freunden Ablenkung und Anerkennung gesucht“, kam so zur FKD. Heute gibt der ehemalige Filialleiter von Thor Steinar (rechte Szeneklamotten) Mithäftlingen im Knast Deutschunterricht und nimmt am Aussteigerprogramm teil.

Der Prozess wird fortgesetzt.


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