30 Dynamo-Trainer in 27 Jahren: Ein Rückblick!

Dresden - In der 66-jährigen Dynamo-Geschichte gab es 42 Trainer - nach heutigen Maßstäben also eher wenige. Natürlich nicht alle habe ich in 27 Jahren, in denen ich die Schwarz-Gelben für die Morgenpost begleite, selbst erlebt.

Ein echtes Unikum: Siegfried Held wurde 2010 bei seiner Rückkehr an die alte Wirkungsstätte (an der mittlerweile das neue Harbig-Stadion steht) von den Dynamo-Fans gefeiert.
Ein echtes Unikum: Siegfried Held wurde 2010 bei seiner Rückkehr an die alte Wirkungsstätte (an der mittlerweile das neue Harbig-Stadion steht) von den Dynamo-Fans gefeiert.  © Lutz Hentschel

Immerhin 30 verschiedene Chefcoaches waren es dann aber doch. Mit einigen gab es spezielle Erlebnisse, an die ich mich erinnere und auf die ich zurückblicken möchte.

"Subjektiv-objektiv", wie es Norbert Meier ausdrücken würde. Denn die persönliche Sympathie (oder das Gegenteil) spielt schließlich trotz aller gegenteiliger Behauptungen immer eine kleine Rolle...

Klaus Sammer: Den ersten Trainer - und sei es als Journalist - vergisst man nie. Wenn man als 21-jähriger Anfänger vorm "Langen" stand, war die Ehrfurcht größer als die Neugier. Im Nachhinein konnte man wohl gar nicht erwarten, richtig ernst genommen zu werden. Kein Problem.

Sigfried Held: Wenn ich an diese, meine Anfangszeit zurückdenke, muss ich immer wieder schmunzeln. Denn unser Sigi war und ist schon ein echtes Unikum. Der Westfale, als Spieler Weltklasse, war nicht nur für seine buschigen Augenbrauen, sondern vor allem für seinen trockenen Humor bekannt. Ein Beispiel: Als ich mir in meiner eher durchschnittlichen Zeit bei Budissa Bautzen eine Rote Karte einhandelte, ließen es sich meine lieben MOPO-Kollegen nicht nehmen, mich in einer kleinen Meldung als "Rambo" zu bezeichnen. Sigi hatte die offenbar gelesen und sprach mich ganz nebenbei an: "Acht Spiele Sperre? Herr Löpelt, Sie waren bestimmt völlig unschuldig..."

Und noch eine Episode: Am Ende der Saison 93/94 baten wir Sigi um ein Interview, in dem er Fragen nur mit Ja oder Nein beantworten sollte. Er lehnte dankend ab. Originelle Begründung: "Was soll ich denn dann sagen, wenn Sie mich fragen: Herr Held, haben Sie aufgehört, Ihre Frau zu schlagen?"

Rolf Schafstall (r. mit seinem Co Damian Halata) war im Frühjahr 1999 für ganze 57 Tage Dynamo-Coach.
Rolf Schafstall (r. mit seinem Co Damian Halata) war im Frühjahr 1999 für ganze 57 Tage Dynamo-Coach.  © Wolfgang Schmelzer

Rolf Schafstall: Kaum war er da, da war er schon wieder weg. Ganze 57 Tage hielt sich der Rolf auf dem Trainerstuhl. Nach seinem Pöbelanfall ("Dreck, wo Du hinguckst. Kein Anstand. Alles Ossis") musste er gehen. Mir wird der im Januar 2018 leider verstorbene Schafstall eher als charmanter Plauderer im Gedächtnis bleiben. Zumindest unterhielt er uns Presseleute bei seinem ersten und einzigen Dynamo-Trainingslager irgendwo in der thüringischen Pampa prächtig. Mehr als drei Stunden haute er eine Story nach der anderen raus - natürlich bei entsprechend reichlich fließendem Gerstensaft.

Christoph Franke: Im Sommer 2001 war Dynamo nach den wilden Kinowelt-Jahren klinisch tot. Ausgerechnet die CFC-Ikone hauchte dem Verein wieder Leben ein, führte ihn aus den Niederungen der Oberliga bis in die 2. Bundesliga. Allein diese Leistung ist unvergessen. Zudem zählt die Zeit mit Christoph Franke zu der angenehmsten, die ich bei und mit Dynamo erlebt habe. Nein, große Sprüche konnte man von ihm nicht erwarten und Interviews zählten nicht gerade zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. Aber einen Christoph Franke musste man einfach mögen - immer korrekt, immer ehrlich, einer, der sich auch vom Profigeschäft nie verbiegen ließ.

Immer für ein Spässchen gut: Christoph Franke ritt 2004 auf der Elefantendame Drumbo im Dresdner Zoo.
Immer für ein Spässchen gut: Christoph Franke ritt 2004 auf der Elefantendame Drumbo im Dresdner Zoo.  © Lutz Hentschel

Meinhard Hemp: Als Dynamo 2002 in Berlin die Rückkehr zumindest in die Drittklassigkeit festmachte, kam "Meini" zu den Dresdner Journalisten, um sich für unsere Mitarbeit zu bedanken. So etwas hat bis heute ein Alleinstellungsmerkmal... Aber ganz unabhängig davon kann ich mich an ihn nur als absolut ehrlichen, aufrichtigen Typen erinnern. Menschlich ganz einfach ein großes Vorbild. Dass er sich nach der Entlassung von Cor Pot als Interimstrainer aufopferte und die Saison bis zum Sommer 2001 mit Anstand zu Ende brachte, spricht für ihn. Und für sich.

Peter Pacult: Der Österreicher gab sich in Fußball-Dresden gleich zweimal die Ehre. Als echter Wiener sah er sich wohl als zweiten Ernst Happel und zelebrierte den großen Grantler. So war der tägliche Umgang - sagen wir mal - gewöhnungsbedürftig. Schließlich genoss Peter der Große seine Unberechenbarkeit. Für Spieler wie Journalisten galt deshalb gleichermaßen: Was mich nicht umbringt, macht mich stärker!

Seine Wutausbrüche sind legendär: Peter Pacult war gleich zweimal Trainer bei den Schwarz-Gelben.
Seine Wutausbrüche sind legendär: Peter Pacult war gleich zweimal Trainer bei den Schwarz-Gelben.  © photoarena/Thomas Eisenhuth

Ruud Kaiser: "Negggattif, ihr seid so neggattif", schimpfte der Holländer gern mit der Journaille. Vom Fußball hatte er so seine eigenen Vorstellungen. So sollten seine Spieler eigene Einwürfe vermeiden, weil man bei denen ja in Unterzahl auf dem Platz sei... Sei's drum. Ich habe Ruud ein paar Jahre später in Dresden getroffen und die Wiedersehensfreude war groß und vor allem ehrlich. Meiner Sonnenbrille knipste Ruud mit seiner überschwänglichen Umarmung allerdings das Licht aus...

Matthias Maucksch: Dynamos Rekord-Bundesligaspieler brachte mit seinen Ideen neuen Schwung in die Bude. Er schickte seine Profis zur Aerobic, zum Voltigieren oder ließ sie im Camp in Altenberg Biathlon trainieren. "Maucke" hatte 2011 großen Anteil am Aufstieg in die 2. Liga, auch wenn er den als Trainer selbst nicht mehr feiern durfte. Nicht zu vergessen: Er war es, der Cristian Fiel zu Dynamo holte. Aktuell trainiert Maucksch den BFC Dynamo - in der 4. Liga ist er mit seinem Potenzial als Trainer sicher verschenkt.

Ralf Loose feiert im Mai 2011 als Dynamo-Trainer den Aufstieg in die 2. Bundesliga - nach durchzechter Nacht mit Sonnenbrille.
Ralf Loose feiert im Mai 2011 als Dynamo-Trainer den Aufstieg in die 2. Bundesliga - nach durchzechter Nacht mit Sonnenbrille.  © Lutz Hentschel

Ralf Loose: "Ja guuut..." Damit begann unser "Ralle" praktisch jeden Satz. Sein Engagement bei Dynamo stand unter einem guten Stern - zumindest schaffte er doch noch den Aufstieg in die 2. Liga. Und: Ein Loose hatte Stil. Auch in der Niederlage. Oder bei seinem Abgang, der mir damals wirklich leid tat. Ich kann mich zumindest an keinen anderen Trainer erinnern, der die Journalisten zum Abschiedsessen eingeladen hätte. Ziemlich guuut.

Stefan Böger: Spätestens im Wintercamp 2015 schrillten bei Dynamo die Alarmglocken. Dieser junge Böger schien ein Missverständnis zu sein. Zudem unterlief ihm - beim Spielchen im Spanien-Camp gegen die Dynamo-Betreuer als Verstärkung fürs Presseteam eingekauft - auch noch ein Eigentor. Kurz darauf musste er gehen. Wir machen uns immer noch Vorwürfe.

Uwe Neuhaus: Dieser Mann war ein Glücksfall für Dynamo. Der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort. U.N. erledigte seine Mission mit einer Selbstverständlichkeit und Souveränität - immer noch Hut ab! Und: Selbst wenn ihm nicht immer gefiel, was wir so schrieben (da war er wohl auch durch seine Berliner Zeit etwas vorgeschädigt), verhielt er sich immer korrekt. Beispiel: Nach einem Testspiel in Tschechien knurrte er mich aus der Kalten an. Wie sich herausstellte, hatte er mich mit einem Kollegen verwechselt. Ein paar Tage später entschuldigte er sich persönlich bei mir. Auch so etwas zeigt Größe.

Meinhard Hemp.
Meinhard Hemp.  © Lutz Hentschel
Ruud Kaiser.
Ruud Kaiser.  © Lutz Hentschel

Alle Dynamo-Trainer von 1950 bis 2019

24. 2. 2019 - 30. 6. 2021 Cristian Fiel (geb. 12. 3. 1980)

11. 9. 2018 - 23. 2. 2019 Maik Walpurgis (9. 10. 1973)

23. 8. 2018 - 10. 9. 2018 Cristian Fiel

1. 7. 2015 - 22. 8. 2018 Uwe Neuhaus (26. 11. 1959)

17. 2. 2015 - 30. 6. 2015 Peter Németh (14. 9. 1972)

1. 7. 2014 - 16. 2. 2015 Stefan Böger (1. 6. 1966)

4. 9. 2013 - 30. 6. 2014 Olaf Janßen (8. 10. 1966)

19. 8. 2013 - 1. 9. 2013 Steffen Menze (28. 1. 1969)

18. 12. 2012 - 18. 8. 2013 Peter Pacult (28.10.1959)

9. 12. 2012 - 17. 12. 2012 Steffen Menze

12. 4. 2011 - 08.12.2012 Ralf Loose (5. 1. 1963)

5. 10. 2009 - 12. 4. 2011 Matthias Maucksch (11. 6. 1969)

1. 7. 2008 - 4. 10. 2009 Ruud Kaiser (26. 12. 1960)

25. 9. 2007 - 2. 6. 2008 Eduard Geyer (7. 10. 1944)

11. 9. 2006 - 24. 9. 2007 Norbert Meier (20. 9. 1958)

4. 9. 2006 - 10. 9. 2006 Tom Stohn (21.12.1968)

28. 12. 2005 - 3. 9. 2006 Peter Pacult

15. 12. 2005 - 27. 12. 2005 Sven Köhler (24. 2. 1966)

1. 7. 2001 - 15. 12. 2005 Christoph Franke (20. 12. 1944)

1. 3. 2001 - 30. 6. 2001 Meinhard Hemp (10. 12. 1942)

20. 3. 2000 - 15. 3. 2001 Cor Pot (8. 6. 1951)

31. 3. 1999 - 8. 3. 2000 Colin Bell (5. 8. 1961)

30. 3. 1999 - 3. 4. 1999 Damian Halata (8. 8. 1962)

2. 2. 1999 - 30. 3. 1999 Rolf Schafstall (22. 2. 1937)

8. 12. 1998 - 1. 2. 1999 Damian Halata

1. 4. 1998 - 7. 12. 1998 Werner Voigt (26. 6. 1947)

24. 9. 1996 - 31. 3. 1998 Hartmut Schade (13. 11.1954)

16. 4. 1996 - 23. 9. 1996 Udo Schmuck (29.10.1952)

18. 6. 1995 - 15. 4. 1996 Hans-Jürgen Kreische (19. 7. 1947)

2. 3. 1995 - 30. 6. 1995 Ralf Minge (8. 10. 1960)

23. 11. 1994 - 24. 2. 1995 Horst Hrubesch (17. 4. 1951)

1. 7. 1993 - 22. 11. 1994 Sigfried Held (7. 8. 1942)

21. 4. 1993 - 30. 6. 1993 Ralf Minge

1. 7. 1992 - 20. 4. 1993 Klaus Sammer (5. 12. 1942)

1. 7. 1991 - 21. 5. 1992 Helmut Schulte (14. 9. 1957)

4. 4. 1990 - 30. 6. 1991 Reinhard Häfner (2. 2. 1952)

1. 7. 1986 - 3. 4. 1990 Eduard Geyer (7. 10. 1944)

1. 7. 1983 - 30. 6. 1986 Klaus Sammer (5. 12. 1942)

1. 7. 1978 - 30. 6. 1983 Gerhard Prautzsch (25. 9. 1941)

1. 7. 1969 - 30. 6. 1978 Walter Fritzsch (21. 11. 1920)

10. 3. 1968 - 30. 6. 1969 Kurt Kresse (15. 10. 1919)

1. 6. 1966 - 9. 3. 1968 Manfred Fuchs (5. 4. 1924)

1. 1. 1957 - 31. 5. 1966 Helmut Petzold (28. 5. 1914)

1. 7. 1956 - 31. 12. 1956 Rolf Kukowitsch (13. 10. 1912)

1. 1. 1956 - 30. 6. 1956 Heinz Werner (12. 4. 1916)

1. 7. 1953 - 30. 6. 1954 János Gyarmati (8. 2. 1910)

1. 3. 1952 - 30. 6. 1953 Paul Döring (27. 3. 1911)

24. 9. 1951 - 29. 2. 1952 Rolf Kukowitsch

1. 7.1950 - 1. 9. 1951 Fritz Sack

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