"Gott ist tot": Geht die Stadt mit antichristlicher Glocke im Kreuzgang zu weit?

Das Stadtmuseum am Abdinghof (links) will im Kreuzgang des ehemaligen Abdinghofklosters eine Glocke mit der Aufschrift "Gott ist tot" aufhängen.
Das Stadtmuseum am Abdinghof (links) will im Kreuzgang des ehemaligen Abdinghofklosters eine Glocke mit der Aufschrift "Gott ist tot" aufhängen.

Paderborn - Dass eine Glocke die Gemüter vieler so sehr in Aufruhr versetzen kann, klingt erst mal komisch. Doch nicht nur die Inschrift auf dem Rand sorgt für Ärger, sondern auch der Plan der Stadt Paderborn, die Glocke im Garten am Kreuzgang des ehemaligen Abdinghofklosters dauerhaft zu installieren.

Viele sind nämlich der Meinung, dass die Kunstinstallation des Dänen Henrik Plenge Jakobsen dort nichts zu suchen hat. Warum? Ganz einfach: Auf der Glocke steht das von Friedrich Nietzsche stammende Zitat "Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder?"

Für viele ist das ein Skandal! Schließlich gehört ein solcher Spruch nicht in ein kirchliches Gebäude, oder? Der Paderborner Rat sieht das anders! Denn der "hat im Bewusstsein darüber, um welches Objekt es sich handelt, in welchem Zusammenhang und an welchem Ort es gezeigt wird, einstimmig den Beschluss zum Ankauf gefasst", heißt es in einer Mitteilung der Stadt.

Obwohl der Spruch gotteslästerlich, antichristlich und atheistisch ist, wie viele kritisieren, geht es dem Rat vor allem darum, zur Diskussion anzuregen. Auch das Stadtmuseum macht mit der Aufstellung der Glocke keine Aussage, sondern es macht eine stadtgesellschaftliche Frage der Identitätskonstruktion am konkreten Beispiel sichtbar.

"Die Stadt Paderborn unterstreicht die Aussage des Künstlers, mit der Aufstellung des Kunstwerks kein anti-kirchliches oder anti-religiöses Statement abzugeben", rechtfertigt der Rat die Kunstinstallation im Kreuzgang.

Die Glocke ist eingebunden in ein Museums- und Ausstellungskonzept, das Themen der Stadtgesellschaft aufgreift und zur Diskussion stellt. Der Abdinghof sei wie kaum ein anderer Ort in Paderborn durch den gesellschaftlichen Umbruch von der Vormoderne zur Moderne geprägt, so die Stadt.

Hier ließe sich ablesen, wie die Einheit von Religion, Kirche und Gesellschaft um 1800 zerbrach und die Moderne mit ihrem Anspruch auf gesellschaftliche Autonomie entstand.


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