"Der absolute Horror": Er sägte sich drei Finger ab, einer hing nur noch an Hautlappen

Mit der Hand geriet Alexander Ebert in eine Kreissäge. (Symbolbild)
Mit der Hand geriet Alexander Ebert in eine Kreissäge. (Symbolbild)  © 123RF

Gütersloh - "Ich war gerade dabei, mit einer Tischkreissäge eine Hartfaserplatte abzusägen, als ich reflexartig nach links schaute, weil etwas meine Aufmerksamkeit erregt hatte. Dabei habe ich auch meine Hand nach links in die Kreissäge hinein gezogen", so schildert Alexander Ebert (41) die Sekunden, als es passierte.

Die kurze Ablenkung Mitte Mai kostete ihn drei Finger der rechten Hand (TAG24 berichtete). Der kleine hing nur noch an einem Hautlappen. "Mein Zeigefinger sah aus wie explodiert, überall war Blut. Es war der absolute Horror."

Große Schmerzen, wie man nach so einem schrecklichen Arbeitsunfall erwarten würde, verspürte er zu diesem Zeitpunkt trotzdem nicht: "Es hat sich eher angefühlt wie ein Schlag auf die Hand."

Glücklicherweise reagierten die Kollegen in der Verpackungsabteilung eines Paderborner Baustoff-Herstellers sofort: Mit einer sterilen Binde versorgten sie die Wunde. In einen wasserdichten Beutel verpackten sie die abgetrennten Finger und kühlten sie.

Oberarzt Michael Stoffels kontrolliert die Fortschritte, die Alexander Ebert dank Reha-Maßnahmen macht.
Oberarzt Michael Stoffels kontrolliert die Fortschritte, die Alexander Ebert dank Reha-Maßnahmen macht.  © Klinikum Gütersloh

"Ich hatte ein wenig Glück im Unglück: Erst zwei Tage zuvor haben wir im Betrieb eine Auffrischung in der Ersten Hilfe erhalten. Die Kollegen wussten also genau, was zu tun war."

Handchirurg und Oberarzt vom Klinikum Gütersloh, Michael Stoffels, bestätigt, dass genau richtig gehandelt wurde: "Es ist sehr wichtig, dass abgetrennte Körperteile kühl und trocken gelagert werden. Auf keinen Fall sollte man den Finger direkt in Eis oder in Wasser legen, da dies das Gewebe zerstört und eine erfolgreiche Operation unmöglich macht.

Am besten legt man den in Kompressen eingewickelten Finger in eine Tüte, die man gut verschlossen in eine zweite Tüte mit Wasser und ein paar Eiswürfeln legt. Auf dem Rettungswagen gibt es in der Regel auch fertige doppelwandige Replantatbeutel."

Mit einem Rettungshubschrauber wurde Alexander Ebert ins Klinikum gebracht. "Das war für mich nochmal zusätzlicher Stress – ich habe nämlich Flugangst. Ein Anästhesist hat mich deshalb noch vor dem Abflug sediert. Ich bin erst nach der Operation viele Stunden später wieder aufgewacht", so Ebert.

Die Fäden, die bei der Operation genutzt wurden, sind dünner als Haare.
Die Fäden, die bei der Operation genutzt wurden, sind dünner als Haare.  © Klinikum Gütersloh

In einer 13-stündigen Not-OP gelang es den Ärzten tatsächlich, die Hand des 41-Jährigen zu retten. "Ich dachte zunächst, dass wir den Kleinfinger nicht retten könnten, aber auch das hat dann glücklicherweise funktioniert. Eine Replantation ist immer knifflig, aber gleich vier Finger sind eine besondere Herausforderung", erklärt der Oberarzt.

Trotz erfolgreicher OP wird Ebert in Zukunft mit Einschränkungen rechnen müssen. "Er wird die Hand nicht mehr ganz zur Faust schließen können, da die zerstörten Mittelgelenke nicht rekonstruierbar waren. Mit viel Ergotherapie und Krankengymnastik wird er seine Hand aber trotzdem im Alltag wieder gut nutzen können."

Vor allem bei feinmotorischen Tätigkeiten habe der 41-Jährige Schwierigkeiten, erzählt er. Kleine Dinge könne er nicht halten. Schreiben funktioniere hingegen schon wieder. "Ansonsten versuche ich mich langsam daran zu gewöhnen, die linke Hand als Führungshand zu nutzen."

Seine Familie und Kollegen waren für ihn in der gesamten Behandlungszeit eine wichtige Stütze. "Besonders gefreut hat mich, dass unser Seniorchef Dr. Klaus Hölscher zu Besuch ins Klinikum kam und mir einen Brief mit Genesungswünschen aller Mitarbeiter mitgebracht hat. Es hat mir viel Halt gegeben zu wissen, dass mein Arbeitgeber hinter mir steht."

Abgeschlossen ist die Behandlung noch nicht. Der 41-Jährige muss weiterhin trainieren. Der kleine Finger wird wohl taub bleiben. "Insgesamt bin ich aber sehr zufrieden mit dem Ergebnis und sehr dankbar dafür, dass meine Finger gerettet werden konnten."

Titelfoto: 123RF, Klinikum Gütersloh


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