Jahrelang verdeckt operiert: Ist das Dresdens oberster Neonazi?

Der Prozess gegen die Freie Kameradschaft Dresden (FKD) wird wohl bis Ende 2018 laufen. Rene H. (31, Spitzname „Der große Leubener“) sitzt inzwischen in U-Haft.
Der Prozess gegen die Freie Kameradschaft Dresden (FKD) wird wohl bis Ende 2018 laufen. Rene H. (31, Spitzname „Der große Leubener“) sitzt inzwischen in U-Haft.

Dresden - Gerade hat der Generalbundesanwalt im Terror-Prozess am Oberlandesgericht gegen die rechte Schlägertruppe „Gruppe Freital“ Haftstrafen von fünf bis elf Jahren für die acht Angeklagten gefordert.

Und am Landgericht Dresden wird seit Wochen gegen sechs mutmaßliche Mitglieder der „Freien Kameradschaft Dresden“ (FKD) verhandelt. Die Ermittlungen in der rechten Szene sind aber noch lange nicht abgeschlossen. Seit neuestem sitzt Rene H. (31) in U-Haft. Sein Name wurde in den Prozessen immer wieder genannt.

„Doch bisher waren die Beweise gegen ihn nicht stark genug“, so Wolfgang Klein (57), Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft. Jahrelang flog der gelernte Koch „unterm Radar“ der Ermittler. Zwar wurde er bei der Razzia gegen die FKD im Dezember 2016 mit verhaftet, kam jedoch schnell wieder frei. „Jetzt aber wird ihm Unterstützung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Es laufen Ermittlungen wegen Landfriedensbruch, Körperverletzung und Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion“, so Klein.

Mit der „kriminellen Vereinigung“ ist die FKD gemeint: Laut Anklage jagten die Mitglieder Ausländer beim Stadtfest, mischten bei den Krawallen in Heidenau mit, sprengten das Auto des Freitaler LINKEN-Stadtrates Michael Richter und griffen das alternative Wohnprojekt „Mangelwirtschaft“ an. Im derzeitigen Prozess gegen sechs mutmaßliche Mitglieder sagte eine Angeklagte aus, Rene H., der eine Sicherheitsfirma hätte, sei dabei gewesen, als sich die FKD formierte. Und er habe noch an dem Abend Mitstreiter gesucht, die mehr wollten, als „nur“ zu demonstrieren.

Die Krawalle vor der Flüchtlingsunterkunft im August 2015 brachten Heidenau in die deutschlandweiten Schlagzeilen.
Die Krawalle vor der Flüchtlingsunterkunft im August 2015 brachten Heidenau in die deutschlandweiten Schlagzeilen.

Auch im Terror-Prozess gegen die „Gruppe Freital“ war Rene H. Thema. So machte der Angeklagte Rico K. (39) „ergänzende Aussagen“ bei der Polizei.

Laut des vernehmenden Beamten, sei dabei erstmals klar geworden, dass Rene H. sehr wohl auch beim Angriff auf die „Mangelwirtschaft“ aktiv beteiligt gewesen sein soll. Rene H. sei eine Respektsperson, den viele nur den „große Leubener“ nennen. Viele in der Szene hätten sogar Angst vor ihm, weil er Kontakte in die Fußballszene habe.

„Es wurde Haftbefehl wegen Fluchtgefahr und Verdunklungsgefahr beantragt und erlassen“, so Wolfgang Klein. Doch genau damit nahmen es wohl einige Justizmitarbeiter nicht so genau: Rene H. kam in die JVA Waldheim. Dort saß der mutmaßliche Sympathisant der FKD, Robert H. (31), ein. Der kassierte 2017 über drei Jahre Haft, weil er zwar nicht Mitglied des Schlägertrupps war, aber an mancher Tat beteiligt gewesen sein soll. Gegen das Urteil kämpft er gerade vorm Berufungsgericht. Und dort erzählte er brühwarm, er habe sich mit Rene in der Haft unterhalten. Inzwischen wurde Robert H. in eine andere JVA verlegt.

Rene H. sitzt nun also in Haft. Der Staatsanwalt arbeitet an einer Anklage. Im Prozess gegen die Gruppe Freital plädieren am Freitag die Opferanwälte. Ein Urteil fällt wohl im Februar.

Dagegen geht der Prozess gegen die FKD in die Verlängerung: Jüngst wurden neue Termine bis Ende Dezember 2018 vereinbart. Denn jetzt sind „plötzlich“ Videos zu den Vorfällen aus Heidenau aufgetaucht.

Satte 60 Gigabyte Filmmaterial lieferten die Ermittler nach! Seit Tagen schaut die Staatsschutzkammer nun die Aufnahmen rund um die Randale am dortigen Flüchtlingsheim an. Darauf soll auch Rene H. zu sehen sein.

Die FKD verübte laut Anklage auch einen Anschlag auf das Büro der Linken in Freital.
Die FKD verübte laut Anklage auch einen Anschlag auf das Büro der Linken in Freital.
Wolfgang Klein (57), Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, bestätigte die Festnahme des „Großen Leubeners“.
Wolfgang Klein (57), Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, bestätigte die Festnahme des „Großen Leubeners“.

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