ZDF lädt Terror-Opfer aus Merkel-Sendung aus

ZDF-Chefredakteur Peter Frey (l-r), Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bettina Schausten, Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios vor der Senundg "Klartext, Frau Merkel".
ZDF-Chefredakteur Peter Frey (l-r), Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bettina Schausten, Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios vor der Senundg "Klartext, Frau Merkel".

Berlin – Diese Entscheidung des ZDF findet Astrid Passin, Sprecherin der Hinterbliebenen der Opfer des Terroranschlags vom Breitscheidplatz, sehr bedauerlich. Und sie wirft Fragen bei ihr auf.

Wie die Berliner Morgenpost berichtet, bekam sie im Juli eine Anfrage vom ZDF, ob sie an der Sendung "Klartext, Frau Merkel" den Hinterbliebenen von Terroropfern eine Stimme geben wollen. Nachdem sie mit anderen Hinterbliebene Rücksprache gehalten hatte, sagte sie zu.

Das ZDF wollte dann in weiteren Vorgesprächen unter anderem wissen, welche Fragen sie an die Bundeskanzlerin stellen wolle.

"Darauf wollte ich mich aber nicht einlassen. Ich wollte mir das vorbehalten, spontan zu agieren, so wäre es ja auch authentischer", sagte sie der Morgenpost - was vom Sender so hingenommen wurde, sie bekam auch einen Vertrag.

Um so verwunderter war sie, als am Donnerstag, dem Tag der Sendung, einen Anruf bekam, dass sie doch nicht daran teilnehmen werden. Die Begründung: Aus der Erfahrung von "Klartext, Herr Schulz" habe der Sender festgestellt, dass Fragesteller in den Medien und sozialen Netzwerken attackiert worden seien. Das wolle man ihr als Hinterbliebener ersparen.

Die Gedenkstätte des Terroranschlags vor der Gedächtniskirche am Breitscheidplatz.
Die Gedenkstätte des Terroranschlags vor der Gedächtniskirche am Breitscheidplatz.  © DPA

Passins Einwand, sie sei es als Sprecherin der Hinterbliebenen gewöhnt, für ihre Aussagen von den Medien bedrängt zu werden, zählte für den Sender nicht. "Es folgten immer wieder die gleichen Erklärungen. Ich habe gespürt, die wollen nicht, dass ich komme", erklärt sie in der Morgenpost.

Das ZDF bestätigte die Entscheidung: Es wurde "kritisch geprüft, wem der Druck der Live-Situation und die mediale Nachwirkung eines Auftritts vor einem Millionenpublikum zuzumuten ist".

Die CDU erklärte dazu, keinerlei Einfluss auf die Auswahl der Gäste zu haben: "Wir haben die Gäste nicht ausgesucht, hatten keinerlei Zugang zum Auswahlverfahren und keine Kenntnis, wer als Gast erscheinen und was er fragen wird", so ein Sprecher gegenüber der Zeitung.

Einen zusätzlichen Beigeschmack bekommt diese Entscheidung, ein Terror-Opfer aus einer Merkel-Sendung auszuladen vor dem Hintergrund, dass die Bundeskanzlerin bereits im März ein Treffen mit den Hinterbliebenen der Terroropfer abgelehnt hatte.

Ihr Anwalt hatte damals um ein solche Treffen per Brief gebeten. Es kam nicht zustande. Passin äußert deshalb ihre Verwunderung, warum es bisher noch zu keinem persönlichen Treffen mit der Bundeskanzlerin kam und sie nicht mal ein persönliches Kondolenzschreiben schickte.

Am 19. Dezember 2016 war der Laster auf den Weihnachtsmarkt gerast. Bei dem Anschlag starben zwölf Menschen.
Am 19. Dezember 2016 war der Laster auf den Weihnachtsmarkt gerast. Bei dem Anschlag starben zwölf Menschen.  © DPA

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