Horror-Trip! Ungarische Fechter machen Leipzig schwere Vorwürfe

Die ungarischen Fechter konnten sich nach eigenen Angaben kaum auf das Turnier konzentrieren.
Die ungarischen Fechter konnten sich nach eigenen Angaben kaum auf das Turnier konzentrieren.  © DPA

Leipzig - Die Fecht-WM in Leipzig ist vorüber und die Messestadt hat sich der Sportwelt als guter Gastgeber präsentiert - denkt man. Das ungarische Team sieht die Sache nämlich komplett anders.

Der Sprecher des Ungarischen Fechtverbandes, Gábor Boczkó (40), erzählte der staatlichen Nachrichtenagentur MTI vom "Horror-Trip" seines Teams nach Leipzig.

Demnach konnte die Mannschaft ihr Hotel am Hauptbahnhof nur tagsüber und in Gruppen verlassen und sich nicht auf die Wettkämpfe konzentrieren.

Ständig habe es Ruhestörungen und Krawalle gegeben, so Boczkó. Über die mutmaßlichen Randalierer sagte der 40-Jährige, wahrscheinlich könne man sie als "Migranten" bezeichnen. Seine Mannschaft habe einen Mann mit einer Machete oder Heckenschere herumfuchteln sehen. Zu allem Übel soll ein "farbiger Mann" auch noch versucht haben, den Säugling einer "hellhäutigen" Frau zu entführen.

Boczkó sprach auch live am Telefon mit dem staatlichen Fernsehsender M1. Während er die "unsäglichen" Zustände beschrieb, zeigte der Sender Bilder vom Lkw-Attentat auf den Berliner Weihnachtsmarkt sowie von Opfern des Amoklaufs in München.

Die Fecht-WM selbst lief für die Ungarn gut. Säbelfechter Andras Szatmari gewann Gold, zwei weitere ungarische Fechter holten Silber und Bronze.
Die Fecht-WM selbst lief für die Ungarn gut. Säbelfechter Andras Szatmari gewann Gold, zwei weitere ungarische Fechter holten Silber und Bronze.  © DPA

Wie die "Leipziger Volkszeitung" berichtet, waren die Ungarn im Seaside Park Hotel untergebracht gewesen. Die Leipziger Polizei wusste auf LVZ-Anfrage nur von einem harmlosen Fall in dem Bereich zu berichten.

Am Freitagnachmittag war es zu einem verbalen Streit zwischen einem nordafrikanischen Paar im Park vor dem Hotel gekommen. Bereits anwesende Polizisten hätten die Situation aber sofort aufgeklärt, so Polizeisprecher Uwe Voigt. Kurzzeitig sei eine größere Personengruppe anwesend gewesen, einen Straftatverdacht gebe es aber nicht.

Eigentlich gilt der Park vor dem Hauptbahnhof als Kriminalitätsschwerpunkt, die Polizei hatte auch deshalb ihre Präsenz in dem Bereich vor und während des Turniers erhöht. Voigt betonte, dass die Polizei von mehreren Teilnehmern für ihre Arbeit gelobt worden sei.

Auch im Hotel selbst wundert man sich über das vermeintliche Leid der Ungarn. Laut Hoteldirektor Michael Lehmann beschwerte sich kein ungarisches Verbandsmitglied auf offiziellem Weg. Auch ein Journalist aus Köln, der im Seaside wohnte, erzählte eine völlig andere Geschichte. Er habe die Mitglieder der ungarischen Mannschaft vor dem Hotel eine Zigarette rauchen oder ein Bierchen trinken sehen. Zudem verfüge das Hotel über schalldichte Fenster, von Lärm könne keine Rede sein.

"Sicher sind in dem Park einige Obdachlose und Leute, die Drogen konsumieren. Aber unsicher habe ich mich nicht gefühlt", sagte er der LVZ. Die Stadt Leipzig will die Sache jedenfalls nicht auf sich beruhen lassen und hat den Fecht-Weltverband eingeschaltet. Dieser wird sich mit den Vorwürfen befassen.


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