Linke kritisiert Klassik-Offensive vor Leipziger Hauptbahnhof

Die Leipziger Linksfraktion stellt die Dauerbeschallung vor dem Leipziger Hauptbahnhof infrage. Sie sieht darin ein Mittel zur Vertreibung von störenden Personen.
Die Leipziger Linksfraktion stellt die Dauerbeschallung vor dem Leipziger Hauptbahnhof infrage. Sie sieht darin ein Mittel zur Vertreibung von störenden Personen.  © Ralf Seegers

Leipzig - Klassische Musik als Aufreger: Soll die laute Dauerbeschallung mit Klassik vor dem Leipziger Hauptbahnhof Punks und Bettler vertreiben? Diesen Verdacht hegt die Leipziger Linke und fragte deshalb bei der Stadt nach.

Die Linken sehen in dem Einsatz von klassischer Musik den Versuch, vor der Westhalle des Hauptbahnhofs "aufzuräumen".

Die Stadt erklärte allerdings, dass das Center-Management der Promenaden im Hauptbahnhof allen Gästen lediglich einen angenehmen Empfang bereiten möchte.

Die Beschallung öffentlicher Räume sei kein ordnungspolitisches Mittel, antwortete die Stadt auf die Anfrage der Linksfraktion. Genehmigungen für die Beschallung öffentlicher Räume seien auch für andere Anlässe und Events erteilt worden, heißt es.

Trotzdem fühlt sich Linken-Stadträtin Juliane Nagel durch die Antwort der Stadt bestätigt: "Zwar behauptet die Stadt, dass die klassische Musikbeschallung nicht als 'ordnungspolitisches Mittel' eingesetzt wird, erklärtes Ziel ist es allerdings, wie in der Antwort auf meine Anfrage bekundet wird, 'die Aufenthaltsqualität des Standortes zu verbessern'."

Damit werde klar eingeräumt, dass die Musikbeschallung zur Vertreibung von störenden Personen eingesetzt werde, so Nagel.

Für Linken-Stadträtin Juliane Nagel ist die Dauerbeschallung mit Klassik keine nachhaltige Lösung. Sie regt einen Runden Tisch an.
Für Linken-Stadträtin Juliane Nagel ist die Dauerbeschallung mit Klassik keine nachhaltige Lösung. Sie regt einen Runden Tisch an.  © DPA

Dass es vor dem Hauptbahnhof Probleme mit Bettlern, herumliegenden Personen auf dem Gehweg, Wildpinklern und der Vermüllung des Areals gibt, ist der Stadt durchaus bewusst.

Allerdings ergaben Gespräche mit den Leuten vor der Westhalle, dass diese nicht auf Hilfe angewiesen sind oder sich erst gar nicht helfen lassen wollten.

Ansprachen brächten nur kurzzeitigen Erfolg und würden bei steigender Personenzahl oder erhöhtem Alkoholpegel ignoriert.

An dieser Stelle gibt Nagel zu bedenken, dass die Mittel der Straßensozialarbeit begrenzt seien. Es brauche hier sowohl der personellen Aufstockung als der Suche nach neuen Methoden für bestimmte soziale Gruppen.

Probleme wie das Wildpinkeln könne man einfach durch das Aufstellen von kostenlosen Toiletten unterbinden.

Um das Problem vor dem Hauptbahnhof ohne Verdrängung in den Griff zu kriegen, schlägt Nagel einen Runden Tisch mit allen Beteiligten vor. Ähnlich wie in Hamburg wäre dies auch für Leipzig eine Maßnahme, um "nachhaltige und soziale Lösungen zu suchen".

Denn das trinkende und bettelnde Volk vor dem Hauptbahnhof ist nicht verschwunden, es hat sich einen anderen Rückzugsort gesucht: den kleinen Willy-Brandt-Platz.


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